Venenoperation 

 

•  Warum werden Venen operiert?  

 

Die Operation hat das Ziel, genau die Venenabschnitte zu entfernen, die nicht mehr funktionieren. Als nicht mehr funktionstüchtig und damit nicht mehr brauchbar werden all die Venenabschnitte angesehen, in denen die Klappen nicht mehr funktionieren. Die Ultraschallverfahren Dopplersonographie und Duplexsonographie können die Frage nach der Funktion einer Klappe am besten beurteilen. In allen großen Beinvenen finden diese Klappen im Abstand von etwa 6-8 cm. Funktionierende Klappen halten das Blut fest, das wieder nach unten ins Bein will, wo es ja gerade herkommt und lassen es aber nach oben abfließen. Deshalb kann man die Funktion der Klappen auch mit der eines Ventils vergleichen. Wenn diese Ventilfunktion nicht mehr gegeben ist, dann kann zwar noch Blut durch die betroffene Vene fließen, aber der Transport in Richtung Herz ist nicht mehr möglich. Ohne Klappen fließt das Blut dahin, wo die Schwerkraft es hintreibt. Im Stehen versackt das Blut - der Schwerkraft folgend - im Bein, im Sitzen genauso. Erst in dem Moment, wo das Bein hochgelegt wird, fließt das Blut aus den nicht mehr transportfähigen Venen endlich mal wieder in Richtung Herz. Den Rest der Zeit aber staut es sich im Bein, drückt auf die Venenwände und benachbarte, noch funktionierende Klappen, die dadurch im Laufe der Zeit auch kaputt gehen und belastet die funktionierenden Venen. Sie müssen nämlich nicht nur den normalen Bluttransport erledigen, sondern zusätzlich auch noch das gestaute Blut zum Herzen transportieren. Diese zusätzliche Belastung ist erheblich. Langfristig nimmt das restliche Venensystem durch diese Überbeanspruchung auch Schaden.

 

 

•  Die Operation hat folgende Konsequenzen:

 

Im Bein staut sich kein Blut mehr in funktionsuntüchtigen Venen.

Die gesunden Venen freuen sich, dass die dicken Stauvenen endlich weg sind, denn so haben sie weniger Arbeit.

Die Transportwege ändern sich nicht und die entfernten Venen fehlen auch nicht, denn sie haben schon vorher nicht mehr am Transport teilgenommen. Diesen Punkt sollte man sich unbedingt klarmachen, denn sonst bekommt man unweigerlich Angst, eine so große Vene zu entfernen. „Die wird doch gebraucht, oder?“ wollen viele Patienten wissen. „Nein, wenn sie nicht mehr arbeitet, wird sie nicht mehr gebraucht. Das zu transportierende Blut hat schon einen anderen Weg gefunden. Nach der OP gibt es keine „Umverteilung“. Im Gegenteil, die gesunden Venen freuen sich, dass die Mehrarbeit wegfällt.“

 

Zu den OP-Verfahren findet man im Netz ziemlich viel, so dass ich zumindest vorläufig auf die Beschreibung der Verfahren verzichten möchte. Natürlich stehe ich gern für Fragen zur Verfügung, auch zu Fragen wie „Was ist für mich das Beste?“, „Warum wird mir das empfohlen und nicht das?“ „Welche Vorteile hat das und das Verfahren?“

 

 

• Venen-Operationen heute

 

Venenoperationen werden heute fast ausschließlich ambulant ausgeführt, allenfalls sind sie mit kurzen Krankenhausaufenthalten verbunden. Es ist noch gar nicht so lange her, da war es üblich, wegen einer Venen-OP 14 Tage stätionär zu bleiben und 6Wochen nicht zu arbeiten. Diese Zeiten sind vorbei, weil die OP-Technik deutlich feiner geworden ist. Weniger Schnitte, kleinere Schnitte, Minischnitte, die schon gar nicht mehr den Namen „Schnitt“ tragen, sondern „Punktion“ genannt werden, sind heute üblich.

Stripping, das Standardverfahren, bekommt immer mehr Konkurrenz durch weniger invasive (eingreifende) Maßnahmen. Das Vorgehen wird heute so gewählt, dass man mit möglichst wenig Aufwand auf dem schnellsten Weg zum besten Ergebnis kommt. Stichworte dazu sind: Klasisches Stripping, Kryo-Stripping, (endovenöser oder endoluminaler) Laser, (endovenöse oder endoluminale) Radiowelle, Ministripping, Verödung, Schaumsklerosierung

 

 

• Klassisches Stripping

 

Über einen Schnitt in der Leiste wird die erkrankte Vene auf eine Sonde aufgefädelt, an ihr befestigt und dann rausgezogen (=englisch gestrippt). Man braucht einen Leistenschnitt und einen Schnitt am unteren Ende des erkrankten Venenabschnittes, meist am Unterschenkel.

 

•  Kryo-Stripping

Über einen Schnitt in der Leiste wird die erkrankte Vene aufgefädelt, am Ende durch Schockfrosten (Kryo = Kälte) an die Sonde angefroren und dann rausgezogen (= englisch gestrippt). Man braucht nur einen Leistenschnitt.

 

Endovenös bedeutet in der Venen drinnen

Endoluminal bedeutet im Gefäßinneren, also letztlich das selbe wie in der Vene drinnen

 

 

• Laser

 

Eine Sonde wird über einen kleinen Schnitt oder eine Punktion (Einstichstelle einer Nadel) am unteren Ende in die erkrankte Vene eingeführt und so weit vorgeschoben wie die Venen behandelt werden soll. An der Spitze der Sonde kann ein Laserstrahl aktiviert werden, der bis zu 1000 Grad heiß wird, und durch Hitzeeinwirkung die Vene „verklebt“. Der Katheter wird langsam zurückgezogen, so dass millimeterweise die gesamt betroffene Strecke verschlossen wird. Die endgültige Vernarbung in den nächsten Wochen macht den Verschluss dauerhaft.

 

 

• Radiowelle / VeneFit / VNUS Closure

 

Eine Sonde wird über einen kleinen Schnitt oder eine Punktion (Einstichstelle einer Nadel) am unteren Ende in die erkrankte Vene eingeführt und so weit vorgeschoben wie die Venen behandelt werden soll. An der Spitze der Sonde können 5 kleine Kugelköpfe ausgefahren werden, die an einen winzigen Sektquirl erinnern. Sie werden mittels Radiowellen auf etwas mehr als 90 Grad erhitzt und entfalten ihre Wirkung zum einen in der Venenwand, wo es zu einer Schrumpfung der Kollagenfasern kommt. Der zweite Effekt ist wie beim Laser eine Zerstörung der feinen Innenauskleidung der Vene, so dass es ebenfalls zu einer Verklebung kommt, die durch die Vernarbung in den nächsten Wochen dauerhaft wird.

 

 

•  Ministripping

 

Für Seitenäste besteht die Möglichkeit, über einen sehr kleinen Schnitt mit einem Werkzeug, das an eine Häkelnadel erinnert, die erweiterten Venen zu entfernen. Da auch hier der betroffene Venenabschnitt letztlich rausgezogen wird, nennt man dieses Verfahren Ministripping.

 

 

• Verödung (=Sklerosierung)

 

Verödung ist gleichbedeutend mit Sklerosierung und meint das Einspritzen einer Flüssigkeit in die Vene mit dem Ziel einer umschriebenen Entzündung, die zum Verschluss der Venen führen soll. In Deutschland wird fast ausschließlich mit einer alkoholischen Lösung verödet (googlen Sie hierzu Aethoxysklerol).

 

 

•  Schaumsklerosierung

 

Schaumsklerosierung ist eine Variante der Verödung, bei der die alkoholische Lösung mit Luft durchmischt wird, so dass ein stabiler Schaum entsteht (wie fester Eischnee). Dieser Schaum wird in die Venen gespritzt und bleibt bei entsprechender Dosierung und Positionierung genau dort in der Vene liegen, wo er hingespritzt wird. Im Gegensatz dazu wird die reine alkoholische Lösung weggespült. Die Schaumsklerosierung kann zur Behandlung von Venen unterschiedlicher Größe eingesetzt werden. Ihr Haupteinsatzgebiet sind Seitenäste und voroperierte Venen, vor allem dann, wenn sie keinem anderen Verfahren zugänglich sind.

 

 

• Die Wahl der Methode

 

Ich gehe davon aus, dass jeder Therapeut bemüht ist, das beste Ergebnis für jeden Patienten zu erzielen. Als Patient sollten Sie sich vorher erkundigen, welche Verfahren überhaupt zur Verfügung stehen, welche Erfahrung der Therapeut mit den Methoden hat, die er anbietet und ob das Verfahren, für das Sie sich gern entscheiden würden, auch von Ihrer Kasse übernommen wird.

 

 

Druckversion Druckversion | Sitemap
© Dr. Ive Schaaf
Impressum