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• Gefäßchirurgie

• Gehtraining

 

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• Gefäßchirurgie

 

Chirurgie ist die Lehre von den Operationen und der Gefäßchirurg sollte alle Adern sehr gut operieren können. Leider sind in der Ausbildung und auch später in der täglichen Praxis die Venen eher lästige Pflicht im Vergleich zu den Arterien. An Arterien kann der Gefäßchirurg herumoperieren, er kann sie saubermachen und wieder zusammennähen, kann künstliche Zwischenstücke einsetzen usw. Venen dagegen werden rausgezogen und fertig. Es kommt daher vor, dass sehr gute Gefäßchirurgen weit weniger Venen operiert haben als so mancher niedergelassene „Normalchirurg“ oder operativ tätige Hautarzt. Ich will damit niemanden auf- oder abwerten, sondern nur auf etwas aufmerksam machen, woran man vielleicht spontan nicht denkt. Wenn Sie sich an den Venen operieren lassen möchten, dann suchen Sie also bitte nach einem Venenspezialisten. Das kann ein Gefäßchirurg sein, möglicherweise ist es aber auch der niedergelassene Phlebologe von nebenan. Es gibt keine verbindlichen Tipps, wie man einen guten Arzt erkennt. In ein paar Jahren wird das Internet dazu wohl mehr hergeben als heute. Aber schon heute ist es völlig in Ordnung, den Arzt zu fragen, seit wann er einen Schwerpunkt Venen hat und wie viele Venenoperationen er im letzten Jahr durchgeführt hat Jede Antwort ist besser als keine Antwort. Jede ehrliche Antwort sowieso. Stellen Sie die Frage ruhig auch der Empfangssekretärin. Auch sie sollte dabei nicht ins Stottern kommen, es sei denn, sie ist den ersten Tag da.

 

 

• Gehtraining

 

Gehtraining werden Sie im Netz vermutlich nur im Zusammenhang mit Durchblutungsstörungen finden. Da gehört es zu den anerkannten Standardmaßnahmen und es gibt genaue Vorschriften dafür, wie es bei welcher Erkrankung durchzuführen ist. Mir geht es hier um Gehtraining für die Venen nach einer Thrombose und das ist - so weit ich weiß - „meine Erfindung“. Als ich mir einmal keinen anderen Rat wusste, habe ich einem Patienten vorgeschlagen, es wegen seiner Venenprobleme nach tiefer Beinvenenthrombose doch auch mal zu probieren. Es hat geklappt und ich habe es wieder empfohlen, bisher sicher schon 50 Mal bei „normalen Fällen“ und rund 10 mal bei schweren Fällen, ähnlich wie beim ersten Mal. Bisher war das Training immer erfolgreich. Die Geschichte dazu ist gleich erzählt.

In die Praxis von Prof. Marshall (meine Anfangszeit in der Phlebologie) kam ein junger Mann, Mitte 20, Vertreter, selbständig, den ganzen Tag mit dem Auto unterwegs, aber beim Kunden musste er sich Anlagen anschauen und dazu flott laufen. Das ging seit seiner Thrombose nicht mehr. Maximal 50 m, dann war Schluss. Die Kompression war auch nicht ausreichend, denn obwohl er seinen Strumpf gewissenhaft trug, schwoll das Bein an. Daher bekam er von mir als erstes einen Strumpf Klasse III, was ich heute nicht mehr machen würde, siehe Kompressionsklassen. Die Duplexsonographie zeigte, dass die Thrombose nur sehr schlecht wiedereröffnet worden war (=rekanalisiert). Umgehungsvenen (Kollateralen) hatte der Körper aber auch nicht zur Verfügung gestellt. Insgesamt also ein denkbar schlechter Zustand nach tiefer Beinvenenthrombose. Nach einigem Grübeln vereinbarten wird, dass er ab sofort jeden Tag, wenn möglich zweimal, flott gehen sollte bis der Schmerz anfing, dann kurz stehen bleiben und von vorn. Angepeilt waren zwei mal 20 Minuten pro Tag und zwar unbedingt mit dem neuen Strumpf. Drei Monate später reagierte der Patient auf die Frage nach der schmerzfreien Gehstrecke mit einem fragenden „Wie meinen Sie das?“ Er konnte so weit laufen wie er wollte. Das waren zwar maximal 200m, wie sich dann herausstellte, aber er hatte sein Problem innerhalb der kurzen Zeit lösen und vergessen können. In der Duplexsonographie fanden sich die erwarteten Kollateralen (Umgehungsvenen) in der Tiefe der Muskulatur. Den Strumpf Klasse III trug er von da an nur noch an Arbeitstagen, am Wochenende reichte Klasse II.

 

•  Warum ich an Gehtraining glaube

 

Ich glaube, dass der Körper das tut, was er tun muss, um seinen täglichen Anforderungen gewachsen zu sein. Wenn Sie nach einer Thrombose nicht laufen, dann glaubt der Körper, es gibt nur Ruhe und stellt die dafür nötige Transportkapazität zur Verfügung, aber mehr nicht. Warum sollte er? Er ist nicht faul, er weiß auch nicht, wie die Transportkapazität früher ausgesehen hat. Er weiß nur, dass er jetzt eine bestimmte Blutmenge zum Herzen transportieren soll und das macht er auch. Wenn sie aber diese Anforderung ändern und ihn bitten, mehr Blut zu transportieren, dann wird er versuchen, einen Weg zu finden, um dieser Anforderung gerecht zu werden. Grundsätzlich, und das muss man insbesondere nach der Thrombose berücksichtigen, hat er dazu mehrere Möglichkeiten:

Er kann die verschlossene Venen wieder aufmachen.

Er kann vorhandene kleine Venen, die in etwa den selben Weg nehmen, zu großen Venen trainieren.

Er kann das Blut statt durch tiefe Venen durch die oberflächlichen Venen leiten.

Wozu er sich entscheidet, können Sie nur bedingt beeinflussen, siehe Tiefe Beinvenenthrombose. Ungünstig ist die Umleitung über die oberflächlichen Venen. Am besten ist das Auftrainieren kleiner Venen, weil sie voll funktionstüchtig sind. Wiedereröffnete (rekanalisierte) Venen hingegen haben zwar eine gute Transportkapazität, aber die Klappenfunktion ist oft schlecht, siehe Venenkreislauf.

 

 

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