Hier finden Sie A wie ...

 

• Allgemeinmaßnahmen

• Ambulante OP

• Angiologe, Angiologie

• Armvenenthrombose

• Arztsuche

 

 

 

Allgemeinmaßnahmen

 

Zu den Allgemeinmaßnahmen zählen vor allem Verhaltensregeln nach dem Motto: Laufen und Liegen ist gut, Stehen und Sitzen ist schlecht. Nun kann natürlich nicht jeder Postbote werden oder einen liegenden Beruf ergreifen, aber wenn es möglich ist, sollte man sich bei der Berufswahl durchaus überlegen, ob eine erhebliche familiäre Belastung der Venen besteht. Falls das so ist, sind bestimmte Berufe besonders ungünstig, Metzgereiverkäuferin z.B. und vor allem die Tätigkeit als Bäuerin.

 

Für die meisten Betroffenen besteht keine Möglichkeit, den Beruf zu ändern, also muss man versuchen, die gegebene Arbeitssituation zu verbessern. Das ist meist möglich. Sie werden den Weg nur selber finden, aber hier einige Anregungen dazu. Versuchen Sie, Ihre sitzende oder stehende Tätigkeit immer wieder kurz zu unterbrechen, z.B. indem Sie im Sitzen die Zehen zur Nase ziehen oder im Stehen auf die Zehenspitzen gehen bzw. das Gewicht von rechts nach links verlagern und zurück. Solche „Mini-Maßnahmen“ sind sehr viel effektiver als man meint, vor allem, wenn sie mehrmals pro Stunde gemacht werden.

 

Im Büro können Sie z.B. jeden Anruf dazu nutzen, Ihre Füße zu bewegen. Holen Sie jeden Brief einzeln aus dem Drucker und tüteln sie ihn gleich ein, nicht erst am Ende des Vormittags alle Briefe. Gehen Sie freiwillig die Besorgungen machen, nehmen Sie die Treppe statt des Fahrstuhls, gehen Sie persönlich zu Ihrer Kollegin anstatt ihr eine Mail zu schreiben oder sie anzurufen. Glauben Sie nicht, dass sie so uneffektiv arbeiten und Zeit verschwenden. Arbeiten mit viel Bewegung hält fit, hält wach, geht gut voran, spart die eine oder andere Kaffeepause. Im Gegensatz dazu fordern müde Beine irgendwann ihre Bewegung ein und hindern Sie dann im unpassenden Moment, weiterzuarbeiten.

 

Zu den Allgemeinmaßnahmen gehören auch Wassergüsse, googlen Sie dazu am besten das Stichwort „Kneipp“ und so genannte Venengymnastik. Auch zu diesem Stichwort werden Sie zahlreiche Tipps googlen, unter anderem von Selbsthilfeorganisationen. Sicher macht auch eine „gesundheitsbewusste Lebensweise“ Sinn. Darunter würde ich verstehen, dass man Übergewicht vermeidet, nicht oder sehr wenig raucht, nicht zu viel Alkohol trinkt, nicht zu fett isst usw. Lauter Dinge, die normalerweise dafür sorgen, dass man sich in seinem Körper „leicht“ und wohl fühlt.

 

Was mir persönlich aber ganz besonders am Herzen liegt: „Leben Sie!“

Ich habe immer wieder erlebt, dass Frauen über Jahre hinweg auf Unmengen von Dingen verzichtet haben, weil sie mal irgendwo gelesen oder gehört hatten bzw. ihnen jemand gesagt hatte, dass sie dies oder das nicht tun sollen. Das Leben ist dazu da, dass man sich daran erfreut und es genießt. Wenn man Einschränkungen hinnehmen muss, dann sollten die sich im Rahmen halten und Vorschriften sollten es wert sein, eingehalten zu werden. Einer alten Damen, die stolz erzählte, dass sie seit ihrem 20. Lebensjahr jeden Tag Kompressionsstrümpfe trägt, weil sie damals die ersten Besenreiser bemerkt hatte, konnte ich nicht so richtig Anerkennung schenken. Mir stellte sich da mehr die Frage „Und wem wollen Sie sie heute zeigen? Spielt es mit 80 eine Rolle, ob die Beine frei von Besenreisern sind?“

Ich sehe meinen Job darin, mit Ihnen zusammen abzuwägen, was für Sie Sinn macht und was sich wirklich lohnt. Am Anfang steht die Auslotung der Möglichkeiten. Dann wird entschieden, was Sie tun wollen und nach bestimmten Zeitabständen schaut man gemeinsam nach, ob Sie mit dieser Strategie im grünen Bereich liegen. Wenn nicht, sollten Sie von mir erfahren, wie es weiter gehen könnte, um dann wieder selbst zu entscheiden, welchen Weg sie nehmen.

 

Wenn Sie mit den Allgemeinmaßnahmen nicht hinkommen, brauchen Sie Medikamente oder Kompressionsstrümpfe (siehe Stichwortverzeichnis!). Dass es nicht reicht, merken Sie daran, dass Ihre Beine, vor allem die Waden, unruhig werden, die Knöchel anschwellen oder die Schuhe zu eng werden bzw. daran, dass die Krampfadern im Laufe der Zeit immer mehr werden.

 

 

• Ambulante OP

 

Venenoperationen werden heute überwiegend ambulant durchgeführt. Und während man noch vor einigen Jahren durchaus bis zu 14 Tage stationär bleiben musste, führt es heute zu Nachfragen von der Kasse, wenn stationär behandelt werden soll. Dass es heute möglich ist, ambulant zu operieren, hängt vor allem damit zusammen, dass die OP-Technik sehr viel besser geworden ist. Die Schnitte wurden immer kleiner, Blutverlust ist seltener geworden und auch die Bildung von Blutergüssen ist ein viel kleineres Problem als früher.

 

In der Regel gehen die Patienten heute etwa 6 Stunden nach der OP wieder nach Hause. Selber Auto zu fahren, ist allerdings nicht möglich. Der Patient muss abgeholt oder zumindest von einem Taxifahrer bis in die Wohnung gebracht werden. Die meisten Operateure bestehen darauf, dass in der ersten Nacht jemand in Rufnähe ist - für den Fall der Fälle. Das könnte ein plötzlich durchblutender Verband sein, ein eingeschlafener Fuß, ein Verband, der weh tut oder unerklärlich starke Schmerzen, die nicht ausreichend auf die mitgegebenen Tabletten ansprechen. Auf jeden Fall erhält der Patient eine Telefonnummer, unter der er im Notfall seinen Operateur oder einen Vertreter erreicht.

 

 

 Angiologe, Angiologie

 

Angiologe bedeutet Gefäßspezialist, Angiologie Gefäßheilkunde. Es handelt sich um eine Teilgebietsbezeichnung für Internisten, die diese Spezialausbildung abgeschlossen haben. Die Bezeichnung Angiologe kann nur von einem Internisten geführt werden im Gegensatz zum „Phlebologen“. Die Bezeichnung Phlebologe kann von Ärzten sehr unterschiedlicher Fachrichtungen erworben werden, siehe dort. Der Angiologe ist ausgebildet in der Erkennung und Behandlung von Erkrankungen der Arterien (Schlagadern, z.B. Schaufensterkrankheit und Schlaganfall), der Venen (z.B. Krampfadern und Thrombose) und der Lymphgefäße. Der Phlebologe ist streng genommen nur für die Venen zuständig. Das klingt ein wenig so, als sei der Phlebologe der kleine Bruder vom Angiologen, der noch nicht alles kann. Da aber die Venen nur dann richtig beurteilt werden können, wenn man auch die Situation der Arterien kennt, haben die meisten Phlebologen ein ähnlich gutes Wissen über die Arterien wie die Angiologen, zumindest im Bereich der Beine. Im Bereich der Gehirn-Arterien kennen sich neben dem Angiologen die Neurologen und zum Teil auch die HNO-Ärzte sehr gut aus. Es lohnt sich daher immer, vor einem Besuch beim Arzt telefonisch zu erfragen, ob das Problem, um das es geht, auch tatsächlich zum Tätigkeitsbereich des Arztes gehört.

 

 

 Armvenenthrombose

 

Dieses Thema hat zwei Aspekte:

1. Die Entzündung von oberflächlichen Venen

2. Die tiefe Armvenenthrombose

 

Die Entzündung von oberflächlichen Venen

 

Armvenenthrombosen sind sehr viel seltener als Thrombosen an den Beinen. Sie treten am häufigsten in Form einer Venenentzündung nach Infusionen (insbesondere bei Chemotherapie) auf. Die Venenwand wurde durch die Infusionsflüssigkeit gereizt, hat sich entzündet und dann zu gemacht, damit Ruhe ist. Die Infusion wird dann meist in eine andere Vene gelegt. Solche Venenentzündungen sind fast immer auf eine oberflächliche Vene begrenzt und somit streng genommen keine Thrombose, sondern „nur“ eine Entzündung. Diese Wortwahl ist wichtig, um bereits mit der Diagnose klar zu machen, dass das tiefe Venensystem nicht betroffen. Das ändert aber nichts daran, dass die entzündete Vene mit einem Thrombus (Gerinnsel) verschlossen ist und es sich somit bei genauer Betrachtung doch um eine Thrombose handelt.

 

Diese verschlossenen oberflächlichen Armvenen erholen sich bei den meisten Patienten von selbst. Der Körper repariert die Entzündung, baut das Gerinnsel ab und alles ist wieder gut. Manchmal geht eine Klappe kaputt, weil das Gerinnsel die feine Klappenstruktur „verdaut“. Am Arm hat das in den Regel keine Konsequenzen für den Bluttransport, aber die Vene kann später dicker sein als vorher und springt ins Auge.

 

Die Behandlung hat zum Ziel, den Selbstheilungsprozess des Körpers zu beschleunigen und zu unterstützen. Man kann Entzündungshemmer geben wie z.B. ASS, Ibuprofen oder Diclofenac. Das Einschmieren mit Heparinsalbe tut gut und macht vermutlich auch Sinn. Ein Kompressionsverband ist sofort hilfreich. Er reduziert den Schmerz und beschleunigt die Reparaturvorgänge des Körpers.

 

Einen solchen Verband anzulegen ist an sich keine große Kunst, aber es gibt ein paar kleine Tricks.

Der Verband darf nicht einschneiden.

Der Verband darf nichts abschnüren.

Im Bereich der entzündeten Vene (auf dem Strang entlang) kann man mit einem Wattepolster die Wirkung noch verstärken.

 

Im Übrigen gilt es Geduld zu haben und die Ruhe zu bewahren – in den allermeisten Fällen kommt der Körper damit zurecht.

 

Wenn Sie allerdings das Gefühl haben, dass die Dinge nicht so laufen wie sie sollten, dann fragen Sie einen Phlebologen um Hilfe, er kann z.B. auch die Heilung durch Entlastung des Gerinnsels beschleunigen, vor allem in den ersten 2 bis 4 Wochen.

 

GANZ WICHTIG: Da solche Entzündungen in seltenen Fällen doch in die tiefen Venen übergehen können, sollte eine solche Venenentzündung immer mittels Ultraschall (Doppler- und Duplexsonographie) kontrolliert werden. Beim Übergang ins tiefe Venensystem gelten schlagartig ganz andere Spielregeln, nämlich die einer Thrombose mit Heparin, Marcumar etc.

 

Und natürlich sollte immer versucht werden, so rasch wie möglich zu handeln, um die Entzündung baldmöglichst und so gut es eben geht einzudämmen.

Wenn die Vene zu schmerzen beginnt, sollte die Infusion in eine andere Vene gelegt werden.

Die Unterstützung mit ASS etc und vor allem das Wickeln sollte baldmöglichst beginnen.

Viel Bewegung der Hand ist gut, um den Blutfluss zu beschleunigen (Gummiball oder Ähnliches zusammendrücken, aber nicht Klimmzüge machen oder Ähnliches).

 

 

 Die tiefe Armvenenthrombose

 

Tiefe Armvenenthrombosen sind selten.

Zu den möglichen Ursachen gehören:

Folge starker Anstrengung

eine Engstelle im Schultergürtelbereich, so dass die tiefe Vene zusammengedrückt wird,

Begleiterscheinung eines (bis dahin unerkannten) Krebsleidens

Gerinnungsstörungen

und weitere.

Oft kann man leider keine Ursache finden.

 

Die meisten Dinge, die Sie unter dem Stichwort „Thrombose“ finden, gelten auch für die Armvenenthrombose. Die Behandlung erfolgt anfangs mit Heparin, dann mit Marcumar wegen der auch hier gegebenen Gefahr der Lungenembolie. Für die Dauer der Marcumarisierung gibt es keine so klaren Vorgaben wie für die Beinvenenthrombosen. An sich richtet sich die Dauer der Marcumariserung nach dem Zeitraum, in dem man (noch) eine Lungenembolie erwarten kann. Die Empfehlungen basieren auf Erfahrungswerten und davon gibt es für die Beine sehr viel mehr als für die Arme. Also muss man versuchen, in jedem Einzelfall das Risiko einer Lungenembolie über die Zeitachse abzuschätzen. Das führt für den Betroffenen dazu, dass er so viele Meinungen hört wie er Ärzte befragt. Das ist sicher nicht beruhigend, aber vor dem geschilderten Hintergrund zumindest verständlich. Die Zeitspanne wird zwischen 3 Monaten und maximal einem 1 Jahr liegen, es sei denn es sind Gerinnungsstörungen im Spiel. Dann muss man, ebenso wie nach Beinvenenthrombose, die Dauer der Marcumarisierung nach dem individuellen Risiko für jeden einzeln einschätzen bis hin zu einer Therapie für den Rest des Lebens.

 

Die Behandlung folgt im Übrigen auch den Grundsätzen, die Sie unter Thrombose finden. Kompression beschleunigt den Blutfluss in den offenen Venen und verhindert so das Thrombuswachstum. Bewegung geht in die selbe Richtung und regt gleichzeitig zu Umverteilungs- und Reparaturprozessen an.

 

Die Prognose nach Armvenenthrombose ist anders als nach Beinvenenthrhombose, denn hier gibt es kein offenes Bein als Spätkomplikation. Allerdings ist ein dauerhaft geschwollener Arm, der schnell schwer und müde wird, für die meisten Patienten sehr viel belastender als ein dickes Bein.

 

Lymphdrainagen können hier oft hilfreich sein, sollten aber bei frischen Thrombosen nur unter ärztlicher Aufsicht erfolgen.

 

Eine lebenslange Strumpfversorgung benötigen nur relativ wenige Patienten. Gerade am Arm hat der Körper viele Möglichkeiten, verschlossene Venenabschnitte durch Bereitstellung anderer Venenabschnitte sehr gut zu kompensieren. Tut er das nicht von sich aus, dann fehlt ihm in der Regel der Anreiz dazu. Für die Beine habe ich die entsprechende Strategie mit „Gehtraining“ überschrieben. Für den Arm müsste es „Handmuskeltraining“ heißen. Schon sehr früh können Sie anfangen, einen Gummiball in der Hand zusammen zu drücken, später kann man auch größere Muskel trainieren. Wichtig ist dabei, dass der Körper begreift, dass er mehr Venen zur Verfügung stellen muss. Mit Gewalt geht das nicht. Nur mit Geduld. Jedes Mal, wenn der Arm „zu eng“ wird, es dumpf pocht oder spannt, merkt der Körper, dass es so nicht geht. Diese Empfindungen sollen sie also möglichst oft hervorrufen, aber bitte dann auch aufhören und nicht mit zusammen gebissenen Zähnen weiter machen. Sie müssen es Ihrem Körper oft sagen, nicht laut. Und Sie müssen dabei bitte eine gute Kompression machen. Wenn nicht, dann sucht sich der Körper Umgehungen direkt unter der Haut und Sie können (unschöne) Krampfadern am Arm bekommen.

 

 

• Arztsuche

 

Es gibt mittlerweile sehr viele Arzt-Such-Maschinen, aber nur die wenigsten bieten die Möglichkeit, nach einem Venenarzt oder Phlebologen zu suchen. Oder aber man muss wissen, wie man bei der Suche zu dieser Schwerpunktbezeichnung kommt Aber wer kennt schon den Unterschied zwischen Teilgebiet und Schwerpunkt?

Folgende Suchmaschinen können empfohlen werden:

www.onmeda.de

www.focus.de

 

Auf den Arzt-Bewertungsportalen bin ich noch nicht richtig fündig geworden und stelle mein Urteil darüber daher vorerst zurück. Für Erfahrungsberichte wäre ich dankbar.

 

Wer nicht fündig wird oder zu verzweifeln droht, dem würde ich raten, sich an die Kassenärztliche Vereinigung seines Bundeslandes zu wenden - per Mail oder telefonisch. Zumindest alle Kassenärzte mit allen Schwerpunkt- und Teilgebietsbezeichnungen können hier erfragt werden.

 

 

 

Noch Fragen? Schreiben Sie an info@venen-hilfe.de.

 

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