Thrombose

 

 

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• Thrombose – was ist das?

Eine Thrombose ist ein Gerinnsel. Üblicherweise spricht man von einer Thrombose, wenn ein Gerinnsel in einer tiefen Vene besteht, das so groß ist, dass es die Vene bzw. einen Venenabschnitt verschließt. Auch bei der Venenentzündung liegt ein Gerinnsel vor, auch dieses verschließt die Vene. Da es sich aber zunächst einmal um eine Entzündung handelt, die erst danach zu einem Gerinnsel führt, bezeichnet man die Venenentzündung in der oberflächlichen Vene als Venenentzündung und nicht als Thrombose. Die Fachausdrücke lauten: Phlebitis für die oberflächliche Venenentzündung und Thrombose für die tiefe Beinvenenthrombose.

Wann immer möglich, sollte man den Zusatz „tiefe Beinenvenen“-Thrombose benutzen, um Unklarheiten bzw. Verwechslungen von vornherein vorzubeugen. Die tiefe Beinvenenthrombose wird oft mit TVT für Tiefe Venen Thrombose abgekürzt.

 

• Thromboserisiko

Man geht davon aus, dass sich für die Entstehung der tiefen Beinvenenthrombose fast immer einer der folgenden Gründe findet, häufig kommen mehrere zusammen:

- Das Blut fließt zu langsam oder steht sogar in einem Venenabschnitt

- Das Blut ist zu dick, vor allem bei fieberhaften Infekten, aber auch bei Langstreckenflügen, da die Luft im Flugzeug sehr trocken ist und man schnell „austrocknet“.

- Das Blut wird am Fließen gehindert, z.B. durch einschneidende Verbände, insbesondere nach operativen Eingriffen.

- Die Hormonlage hat sich verändert, z.B. in der Schwangerschaft oder durch die Einnahme einer Pille.

- Die Gerinnung ist anlagebedingt gestört und tritt zu rasch ein, z.B. bei der Faktor V Leyden Mutation.

- Der Patient hat einen großen operativen Eingriff hinter sich, vor allem im Becken-, Bein oder Bauchbereich.

- Der Patient hat ein Bein im Gips.

- Der Patient raucht.

- Der Patient hat ungeübt (!) den Garten umgegraben, einen hohen Berg erklommen oder Ähnliches.

- Der Patient leidet (auch unerkannt) an Krebs.

Wie man sich leicht vorstellen kann, nimmt die Gefahr einer Thrombose zu, wenn mehrere Risikofaktoren zusammenkommen.

 

• Thrombose selbst erkennen – Anzeichen einer Thrombose - Symptome

Im Internet wird erfahrungsgemäß oft nach den Suchbegriffen „Anzeichen einer Thrombose“ und „Symptome einer Thrombose“ gegoogelt. Ich stelle Ihnen hier einige Anhaltspunkt zusammen, damit Sie am Sonntagabend auf der Berghütte eine vage Vorstellung davon bekommen können, ob es sich bei Ihren Beschwerden um eine Thrombose handeln könnte. ABER: Selbst ein Arzt kann ohne Ultraschall und/oder Blutuntersuchung und/oder Phlebographie eine Thrombose nicht sicher ausschließen. Es gibt keine sicheren klinischen Zeichen, die es Ihnen oder dem Arzt erlauben, eine sichere Diagnose zu stellen. Die folgenden Hinweise können also nur eine Orientierungshilfe sein. Bitte berücksichtigen Sie dies und suchen Sie bei Verdacht auf Thrombose den Arzt auf!

 

• Wann sollte man an eine Thrombose denken?

Folgende Situationen sind typisch:

- Schmerzen im Gips sollten immer an eine Thrombose denken lassen.

- Ebenso Schmerzen tief im Bein oder tief in der Wade nach operativen Einriffen, nach einer Grippe oder Ähnlichem oder auch nach einem Langstreckenflug.

- Schmerzen nach einem Tritt in die Wade, z. B. beim Fußball, können von einem Muskelfaserriss kommen, aber auch von einer Thrombose. Thrombosen im Zusammenhang mit Muskelfaserrissen sind wahrscheinlich viel häufiger als man bisher annimmt. Die Helden des Rasens stecken die Schmerzen und die Schwellung als selbstverständlich weg. Erst Jahre später wird klar, dass einmal eine Thrombose abgelaufen ist.

 

• Welche Beschwerden sollten an eine Thrombose denken lassen?

Hier einige Beispiele – UNVOLLSTÄNDIG! – eine Thrombose muss keine Beschwerden machen:

- Diffuse Schmerzen in der Wade, ähnlich wie Muskelkater, die aber zunehmen und sich im Gegensatz zu Muskelkater nicht rasch bessern.

- Unerklärliche Schwellung, nicht stark, vielleicht 1 cm am Unterschenkel oder 2 am Oberschenkel. Über Nacht wird es eher besser.

- Leichte Blaufärbung des Beines oder Unterschenkels im Stehen, fängt nicht unbedingt sofort an, sondern ist erst nach 5-10 Minuten zu erkennen. Ist von oben meist schlechter zu erkennen als vom Gegenüber oder im Spiegel. Das Blau ist oft nur als „etwas dunkler“ zu erkennen.

- Die Wade ist müde, das Bein fühlt sich schwerer an, man greift sich unwillkürlich an die Wade, man hat das Gefühl, die Wade massieren zu müssen, kühlen zu wollen oder Ähnliches.

- Sie fühlen sich unwohl, schlapp, irgendwie krank, obwohl eigentlich nichts ist, außer dass es irgendwo im Bein weh tut.

 

Ausgedehnte Thrombosen lassen sich leichter erkennen. Das Bein tut weh, ist dick und auch dunkler als die andere Seite, leicht bläulich, vor allem im Stehen.

 

Für alle Thrombosen gilt: Die Beschwerden sind im Stehen oder Sitzen am schlimmsten. Im Liegen und beim Laufen werden sie rasch besser oder gehen ganz weg. Sie bessern sich typischerweise auch auf Kompression, vor allem in Verbindung mit Laufen.

 

NOCH ETWAS macht die Diagnose der Thrombose schwer: Es kann sein, dass vor den Beschwerden eine Reise, eine Anstrengung, eine Verletzung oder sonst etwas gewesen ist. Es kann aber auch sein, dass alles so war wie immer.

 

ALSO VORSICHT! Glauben Sie nicht, Sie könnten irgendwo im Internet eine Anleitung zur Selbstdiagnose finden. Selbst ich bin nach Hunderten von Diagnosen immer wieder überrascht worden. Mal fand sich keine Thrombose, obwohl man nach der Schilderung darauf gewettet hätte und mal fand sich eine Thrombose, obwohl man niemals daran geglaubt hätte.

 

DIE DIAGNOSE „THROMBOSE“ können Sie nicht selber stellen! Selbst der Arzt tut sich schwer und braucht dazu ein bildgebendes Verfahren (=Ultraschall und/oder CT und/oder MRT und/oder Phlebographie)!

 

SCHNELLTEST - Es gibt eine Blutuntersuchung, die Bestimmung der so genannten D-Dimere, die rasch und zuverlässig AUSSCHLIEßEN kann. Ein negativer Test besagt mit hoher Wahrscheinlichkeit, das KEINE Thrombose vorliegt. Es gibt aber KEINEN TEST, der rasch und zuverlässig sagen kann, dass eine Thrombose vorliegt, insbesondere gibt es keinen solchen Bluttest.

 

• Atembeschwerden (Lungenembolie)

Eine Thrombose macht sich oft nur sehr diskret bemerkbar. Es kommt immer wieder vor, dass die Thrombose selbst zunächst einmal gar nicht erkannt wird, aber der Patient wegen Atembeschwerden den Notarzt ruft. Im Krankenhaus wird dann unter Umständen eine Lungenembolie als Folge einer Thrombose gefunden.

Leider kann jede Thrombose eine Lungenembolie machen, auch eine kleine Thrombose. Und leider kann selbst eine kleine Thrombose zu einer tödlichen Lungenembolie führen. Deswegen bezahlen Jahr für Jahr etliche Menschen, vor allem Frauen, den wohlverdienten Flug in den Urlaub mit dem Tod.

 

Rasch zum Arzt! Lieber einmal zu oft

Wenn also irgendein Verdacht auf Thrombose besteht, sollte umgehend eine gezielte Untersuchung erfolgen. Dazu stehen Ultraschallverfahren wie Doppler und Duplex zur Verfügung (siehe dort). Falls erforderlich, kann eine Phlebographie erfolgen (siehe dort) und auch ein Bluttest kann wegweisend sein. Dabei werden die so genannten D-Dimere bestimmt, weshalb der Test meist als D-Dimer Test bezeichnet wird.

 

• Notfall-Selbsthilfe bei Thrombose

(Absolut und wirklich nur falls Sie keine Chance auf ärztliche Behandlung haben!!!)

Wenn Sie keine Möglichkeit haben, sich rasch untersuchen zu lassen, z.B. weil Sie im Urlaub weit weg von jeder Behandlungsmöglichkeit sind, kann man keine Diagnose stellen. Da es sehr gefährlich ist, eine bestehende Thrombose nicht zu behandeln, können Sie - IM NOTFALL UND AUF EIGENE GEFAHR!!! - sich selbst so behandeln, als hätten Sie eine Thrombose.

 

• Wickeln des Beines

Wickeln Sie das Bein, wenn Sie wissen wie das geht. Wenn Sie es nicht wissen, suchen Sie so lange nach einer alten Frau mit schrecklichen Beinen, bis Sie eine finden, die es Ihnen zeigen kann. Solche Frauen gibt es massenhaft und überall. Die können Ihnen auch mit einer Binde aushelfen. Zur Orientierung: Der Verband muss stramm, aber angenehm sein. Er darf nicht einschneiden, die Zehen dürfen nicht kalt werden und der Verband muss vom Vorfuß bis knapp unter die Leiste reichen, ohne „Fenster“. Wenn nicht genügend Verbandmaterial da ist, fangen Sie am Knöchel an und wickeln von dort hoch. Im Mindesten muss der Verband über die Stelle gehen, an der Sie die Thrombose vermuten. Wenn irgend möglich, sollte er mindestens am Knöchel beginnen. Auf jeden Fall sollte eine Stauung unterhalb des Verbandes vermieden werden. Wenn Sie erst am Knöchel mit dem Verband beginnen können, stecken Sie also den Fuß in einen festen Schuh (und nicht in Riemchensandalen). Mit diesem Verband sollten Sie dann laufen, genauer gesagt flott gehen.

 

• Strumpf ausleihen?

Nein, eher nicht. Der Gedanke liegt nahe: Sie haben jemanden mit einem Gummistrumpf gesehen und überlegen sich, ob Sie ihn um Hilfe bitten sollen, vielleicht kann er einen Strumpf entbehren. Das geht nur in wenigen Ausnahmefällen: Der andere muss ganz ähnliche Beine haben wie Sie, denn sonst passt der Strumpf nicht und dann kann er schon mal nachteilig bis schädlich sein. Zugegeben, es kann im Notfall einen Versuch wert sein. Dann müssen Sie bitte sehr sorgfältig auf Folgendes achten: Der Strumpf muss sich unten enger anfühlen als oben – im angezogenen Zustand! Der Strumpf darf nicht einschneiden. Die Zehen dürfen nicht kalt werden und wenn er rutscht, ist er zu weit und hilft auch nicht.

 

• Heparinspritzen

Sehr gut wäre es, wenn Ihnen jemand mit einer „Bauchspritze“ behilflich sein könnte. Auch die werden heutzutage von vielen Menschen mit rumgetragen oder aber Sie kaufen Sie in einer Apotheke. Der Wirkstoff darin heißt Heparin und dieses Wort dürfte auf der Welt an den meisten Orten verstanden werden. Heparin gibt es im Wesentlichen für zwei Anwendungsgebiete: Zur Vorbeugung und zur Behandlung von Thrombosen. Die genaue Dosierung kann man dem Beipackzettel entnehmen, sie schwankt von Präparat zu Präparat. Wenn das nicht möglich ist, liegt man mit einer Dosierung von zwei Spritzen pro Tag in dem Fall, den wir uns gerade vorstellen, mit großer Wahrscheinlichkeit richtig, ab 100 kg lieber noch eine Spritze mehr.

 

Heparin ist nicht gefährlich, macht keine Blutungsgefahr, kann man kaum falsch spritzen.

 

Wie spritzt man sich?

Zum Spritzen nehmen Sie die Haut am Bauch, z.B. neben dem Nabel, zwischen Daumen und Zeigefinger (mit der linken Hand, wenn Sie Rechtshänder sind). Mit der anderen Hand stechen Sie die Spritze senkrecht (gerade) in die Haut. Machen Sie das ruhig mit einer flotten Bewegung und zwar so tief rein wie es geht (bis zum Anschlag). Die Nadel ist so kurz, dass nichts passieren kann. Dann den Kolben runterdrücken, Nadel wieder raus, fertig.

Natürlich sollte die Haut nicht gerade dreckig sein, aber im Grunde besteht keine Entzündungsgefahr. Sie brauchen also nicht zu desinfizieren (können aber gern, wenn Sie möchten).

 

ACHTUNG!!!

Diese Empfehlung gilt wirklich nur für den Fall, dass Sie keine ärztliche Behandlung in Anspruch nehmen können. Sie ist hier aufgeführt, da gerade Menschen „fernab jeglicher Zivilisation“ nur das Internet haben, um (Selbst-)Hilfe zu finden. Natürlich müssen Sie für eine Selbstbehandlung auch selbst die volle Verantwortung übernehmen.

 

Behandlung der Thrombose

Wir befinden uns also zurück in der Zivilisation. Sobald die Diagnose feststeht, wird man Ihnen wahrscheinlich eine größere Menge Blut abnehmen, um es auf eine Gerinnungsstörung untersuchen zu lassen. Sie werden umgehend Ihre erste ärztlich verordnete Heparinspritze erhalten und man wird das Bein wickeln oder Ihnen zumindest einen Kompressionsstrumpf Klasse II anziehen.

 

Verband oder Strumpf?

Die Lehrmeinung sagt zwar nach wie vor, dass wickeln bei frischer Thrombose besser ist als ein Strumpf, aber im täglichen Leben erweist sich der Verband oft als weniger effektiv als der Strumpf und deshalb wird dem Strumpf der Vorzug gegeben. Wichtig ist, das Ziel zu erreichen und das heißt gute Kompression. Die Kompression soll den Blutfluss beschleunigen, damit der Thrombus (das Gerinnsel) nicht weiter wächst und in benachbarten Venen kein Thrombus entsteht. Auch das Gehen, welches dann folgen sollte, verfolgt diesen Zweck. Außerdem drückt die Kompression die oberflächlichen Venen zusammen und bringt den Körper auf diese Weise dazu, die tiefen Venen für den Bluttransport zu nutzen.

 

Warum Heparin und Marcumar®?

Sinn des Heparins (=Bauchspritzen) und ggf. später des Marcumar® ist es, die Gerinnung in der Vene so weit herabzusetzen, dass kein Gerinnsel in die Lunge gespült werden kann, damit es nicht zur Lungenembolie kommt. Außerdem soll verhindert werden, dass das bestehende Gerinnsel weiter wächst oder sich weitere Gerinnsel bilden. Wenn für mehrere Wochen oder Monate eine solche Gerinnungshemmung erforderlich ist, wird baldmöglichst von Heparin auf Marcumar® (siehe dort) umgestellt. Man beginnt mit der Einnahme von Marcumar® meist am Tag nach der ersten Heparinspritze, gibt das Heparin aber noch einige Tage weiter. Erst wenn der so genannte therapeutische Bereich = Zielwert erreicht ist, wird auf Heparin verzichtet. Dieser Prozess dauert mehrere Tage.

 

Was passiert nach einer Thrombose im Bein?

Der Körper hat mehrere Möglichkeiten, auf eine Thrombose zu reagieren, meist schlägt er mehrere Wege ein.

- Der Körper kann die Thrombose auflösen.

- Der Körper kann das Blut umverteilen.

- Der Körper kann kleine Venen so weit auftrainieren, dass sie den Bluttransport übernehmen können.

 

Arzt und Patient können den Körper bei seinen Reparaturmaßnahmen ein wenig manipulieren.

 

Was kann man mit Kompression erreichen?

Wenn Sie keine Kompression durchführen, wird der Körper das Blut aus den verstopften tiefen Venen in die oberflächlichen Venen umleiten, weil das für ihn der einfachste Weg ist. Bei der ganz frsichen Thrombose ist das ok, aber langfristig ist das schlecht, denn die oberflächlichen Venen können den zusätzlichen Bluttransport nur eine gewisse Zeit unbeschadet überstehen, dann aber leiern sie aus und werden zu Krampfadern, die man dann noch nicht einmal operieren darf. Die Kompression dient also nicht nur der Beschleunigung des Blutflusses in den tiefen Venen, sondern auch dazu, die Umleitung des Blutes über die oberflächlichen Venen zu erschweren bzw. verhindern.

 

Was kann man mit laufen erreichen?

Wenn Sie nicht laufen, muss der Körper nur geringe Mengen von Blut transportieren. Dazu reichen ihm kleine Venen bzw. eine geringe Umverteilung aus. Wenn Sie dann einmal die Treppen steigen oder z.B. hinter Ihrem Kind her rennen wollen, ist der Körper darauf nicht vorbereitet. Er kann dann nicht genug Blut transportieren, Sie bekommen Probleme. Mit laufen können Sie die Kapazität Ihrer Venen auftrainieren, siehe dazu auch Gehtraining am Ende dieser Seite.

 

Bin ich „krank“ nach einer Thrombose?

Ja, aber es ist keine Krankheit wie jede andere. Es liegt eine gravierende Störung vor und Ihr Körper leistet Schwerstarbeit bei seinen Reparaturprozessen. Das gilt um so mehr, je ausgedehnter die Thrombose ist. Kleine Thrombosen, z.B. nur in der Wade, machen Sie eher nicht krank. Sie sollten sich aber nicht wundern, wenn Sie schlapp sind und schnell müde werden. Sie sollten auch nicht versuchen, möglichst bald wieder zu „funktionieren“, sondern Sie sollten sich alle Zeit der Welt nehmen, um Ihren Körper nach Kräften zu unterstützen. Das ist der wesentliche Sinn der Krankschreibung.

 

Was kann ich tun?

Sie haben wichtige Aufgaben zu erfüllen:

- Gehen Sie mindestens zweimal, besser dreimal am Tag gute 20 Minuten lang flott spazieren. Machen Sie Pausen, wenn es zu Schmerzen kommt, aber laufen Sie weiter, sobald die Beschwerden wieder abklingen.

- Legen Sie sich nach dem Spaziergang schlafen oder zumindest dösen.

- Meiden Sie das Sitzen und Stehen. Laufen Sie oder legen Sie sich hin.

- Sobald der Arzt es Ihnen erlaubt, steigern Sie Ihr Trainingspensum.

- Testen Sie einmal am Tag aus, wie lange Sie sitzen können bevor Ihr Bein unruhig wird oder schmerzt. Achten Sie sorgsam darauf, nicht länger zu sitzen als es Ihnen gut tut. Sie können auf diese Weise selber feststellen, ob Sie schon wieder in die Arbeit gehen können oder ob 8 Stunden sitzen noch zu viel für Sie sind. Meiner Erfahrung nach macht es Sinn, mit dem Chef zu sprechen und so bald wie möglich wieder für ein paar Stunden in die Arbeit zu gehen. Wer früh seine Teilzeitarbeit anbietet, darf meist längere Zeit Teilzeit arbeiten und jeder nimmt gern Rücksicht auf ihn.

 

Mütter

Mütter können diese Empfehlungen erfahrungsgemäß nicht oder nur bedingt einhalten, weil ihr „Job/Arbeitgeber“ keine Rücksicht auf sie nimmt. Versuchen Sie aber zumindest, den Tagesablauf im oben geschilderten Sinne zu ändern. Scheuen sie sich nicht, Freundinnen, Omas oder Ihren Mann für Ihre Zwecke einzuspannen. Es handelt sich um eine wichtige Investition in Ihre Zukunft. Dafür kann man schon mal jemandem lästig fallen.

 

Fragen zum Verständnis der Thrombose:

 

Warum wird rekanalisiert?

Der Körper reagiert auf die Thrombose. Zum einen schickt er Zellen zu dem Gerinnsel, die in der Lage sind, Gerinnsel abzubauen und zum anderen leitet er den Blutstrom um, denn durch die verschlossenen Venen geht es ja nicht mehr hindurch. In seltenen, schweren Fällen, gelingt es ihm nicht, Umgehungsvenen zur Verfügung zu stellen, dann wird das Bein blau, schwillt immer mehr an und schmerzt auch immer stärker, sodass man sich automatisch als Notfall in die Klinik begibt.

 

Rekanalisieren - Gerinnsel abbauen

Leider können nur dort die Gerinnsel abgebaut werden, wo die Reparaturzellen an das Gerinnsel herankommen, also am Ober- und Unterrand und überall dort, wo die Vene mit offenen Venen in Verbindung steht (Seitenäste, Verbindungsvenen). Darum dauert der Reparaturprozess relativ lange und natürlich umso länger, je ausgedehnter die Thrombose ist.

 

Was bekomme ich von den Reparaturprozessen mit?

Zunächst meist wenig oder nichts. Erst wenn der Körper einen wichtigen Abschnitt ganz frei bekommen hat, so dass das Blut wieder hindurch fließen kann, spüren Sie eine Besserung, die sich in weniger Schwellneigung, weniger Schmerzen, leichteres Bein, kann besser gehen, kann länger sitzen usw. bemerkbar macht. Es ist aber durchaus normal, dass Sie die Reparaturprozesse als große Anstrengung erleben und sich fühlen, als hätten Sie den ganzen Tag Schwerstarbeit geleistet. Haben Sie nämlich auch.

 

Ich spür da was, ist das normal?

Ja, es ist normal, wenn Sie in dieser Zeit irgendwo „Blubbern“, „Unruhe“ oder sonst etwas erleben, was sich irgendwie so anfühlt, als wollte das Blut irgendwo lang, wo es nicht durchkommt oder nicht richtig durchkommt. Medizinisch gesehen gibt es das nicht. So etwas kann man nicht fühlen, sagt die Medizin. Aber viele Menschen mit Thrombose haben immer wieder genau das berichtet und darum kann ich Sie beruhigen: Es ist normal, Sie sind nicht allein mit diesem Gefühl und es ist ein gutes Zeichen. Ein Zeichen dafür, dass sich etwas tut.

 

Warum Heparin / Cumarin - Marcumar /Falithrom – Sinthrom?

Diese Medikamente greifen in das Gerinnungssystem ein und verringern so die Neigung des Blutes, ein Gerinnsel zu bilden. Zu den einzelnen Begriffen finden Sie im www sehr viele Informationen. Mir geht es hier um das, was sie im Falle einer Thrombose bewirken sollen.

Im Falle einer Thrombose wird diese Gerinnungshemmung gebraucht

- damit der Thrombus nicht weiter wächst

- damit nicht irgendwo sonst eine weitere Thrombose entsteht

- damit die gerade aufgelösten Gerinnselteilchen sich nicht wieder zusammenklumpen.

- damit die gerade aufgelösten Gerinnselteilchen keine Komplikationen machen (Stichwort Lungenembolie).

 

Wo ist das Blut bei einer frischen Thrombose?

Ein Bein führt tief in seiner Muskelschicht die Leitvene = tiefe Vene. Sie transportiert das Blut in Richtung Herz. Am Unterschenkel gibt es sechs Leitvenen (3 x 2, in jeder Muskelabteilung ein Paar), die sich kurz vor der Kniekehle vereinen. Von hier nach oben fließt das ganze Blut bei den meisten Menschen über eine einzige Vene nach oben. Ein Bein ist nicht mal einen Meter lang, die Leitvenen sind insgesamt nicht mal 3 Meter lang, aber ihre Zulieferer, die oberflächlichen Venen sind alle zusammen etwa 500 m lang. Wenn also die tiefe Vene verschlossen ist und das Blut nicht wie vorgesehen in die Tiefe abfließen kann, muss es in den oberflächlichen Venen bleiben und in ihnen herzwärts fließen. Bis zur Leiste klappt das recht gut, denn die oberflächlichen Venen laufen überwiegend in einer großen Vene zusammen, die innen am Bein entlang läuft (Vena saphena magna). Sie mündet in der Leiste in die tiefe Vene und hört hier praktisch auf. Wenn der Blutfluss so funktioniert, geht es dem Bein erst mal gut. Langfristig darf es allerdings bei dieser Umverteilung nicht bleiben.

 

Warum ist eine Thrombose in der Leiste besonders schlecht?

In der Leiste gibt es für das Blut nur einen gescheiten Weg in Richtung Herz: die tiefe Vene, die hier durch das Leistenband ins Becken und von dort durch den Bauch in den Brustkorb zieht, um dann im Herzen zu münden. Das Leistenband schließt die Bauchhöhle, die man sich ein wenig wie einen großen Sack vorstellen kann, nach unten hin ab. Hier darf es keine Löcher geben, sonst hat man einen Leistenbruch. Für das Blut gibt es ein Loch, um nach unten zu kommen – die Beinschlagader - und eines, um nach oben zu kommen – die Beinvene. Es gibt in der Tiefe keine kleinen „Parallelstraßen“, die im Bedarfsfall zu Umgehungsvenen ausgebaut werden können. Wenn also die tiefe Vene an dieser Stelle verschlossen ist, dann bleibt dem Blut nichts anderes übrig als den Abfluss über oberflächliche kleine Venen zu suchen. Dieser Weg geht über den so genannten Venenstern (Crosse) in Hautvenen, die am Unterbauch zur Gegenseite oder zum Nabel oder in den Unterbauch ziehen.

 

Diese Lösung ist folgenschwer. Die kleinen Hautvenen werden im Laufe der Zeit zu Krampfadern. Sie liegen direkt unter der Hautdecke und sind sichtbar, was nicht schön ist. Man kann sie schlecht davor schützen, dass sie im Laufe der Zeit immer größer werden, weil sie immer mehr ausleiern. Die Kompression, die man am Bein ganz gut hinbekommt, klappt hier nicht oder nur sehr schlecht.

 

Kann man eine Thrombose operieren?

Wenn diese Situation besteht und insbesondere dann, wenn die Verschlussstrecke vom Leistenband aus gesehen sehr weit noch oben und unten reicht, sollte man immer prüfen, ob eine Operation in Frage kommt, bei der das Gerinnsel (der Thrombus) entfernt wird.

 

Andere Situationen sind nach meiner Einschätzung eher kein Grund für eine OP. Das wird allerdings unterschiedlich beurteilt. Bitte lassen Sie sich vor einer solchen Entscheidung immer lange und gut beraten, fragen Sie ruhig noch einen zweiten Arzt und vor allem lassen Sie sich nie zu einer solchen Entscheidung drängen. Treffen Sie sie in Ruhe und erst nachdem alle Ihre Fragen beantwortet worden sind. Die Abwägung sollte ähnlich ablaufen wie bei der Lysebehandlung beschrieben, siehe nächster Abschnitt.

 

Kann man eine Thrombose auflösen (Lysebehandlung)?

Eine weitere Möglichkeit, den Thrombus zu beseitigen, ist die medikamentöse Auflösung des Gerinnsels mit einer Lysebehandlung. Die Lysebehandlung ist für Ausnahmesituationen reserviert, sollte nur in hochspezialisierten Kliniken durchgeführt werden und ist mit einem deutlich höheren Risiko behaftet als die konservative Behandlung (= wickeln, laufen und Heparin). Eine Lyse kann auch zum Tod führen. Wenn Sie jemals in eine entsprechende Situation kommen sollten, lassen Sie sich bitte eingehend aufklären und fällen Sie Ihre Entscheidung erst, wenn alle Ihre Fragen beantwortet sind. Bei der Abwägung steht auf der einen Seite das OP-Risiko in Verbindung mit dem schlechtesten (!) zu erwartenden Ergebnis durch die Operation und auf der anderen Seite das Risiko der konservativen Vorgehensweise in Verbindung mit dem schlechtesten Ergebnis dieser Behandlung.

 

Was muss man überhaupt nach einer Thrombose tun?

Mehrere Dinge sind zu tun:

1. Man muss die Ursache der Thrombose suchen und nach Möglichkeit ausschalten.

2. Man muss die Gerinnung hemmen, wie oben besprochen, damit keine Gerinnselteilchen in die Lunge kommen und dort zu einer (lebensgefährlichen) Lungenembolie führen.

3. Man muss den Blutfluss in den Venen so weit wie möglich verbessern.

 

Blutfluss verbessern bei Thrombose - wie geht das?

Im Liegen müssen die Venen am wenigsten arbeiten, denn sie müssen das Blut nicht gegen die Schwerkraft transportieren und auch die Blutmenge, die transportiert werden muss, ist in Ruhe am kleinsten. Liegen ist also gut, Bein hochlagern macht Sinn.

 

Man hat festgestellt, dass die Geschwindigkeit des Blutflusses eine ganz entscheidende Größe ist.

Langsam fließendes Blut gerinnt leichter als schneller fließendes Blut.

In langsam fließendem Blut laufen die Reparaturprozesse nicht so gut ab wie in schneller fließendem Blut.

Daher versucht man heute, Patienten mit Thrombose so rasch wie möglich zu mobilisieren - noch vor 10-20 Jahren wurden sie ins Bett gelegt, niemand durfte das Bein anfassen, damit sich ja kein Gerinnsel löst, sie durften oft nicht mal für den Gang zur Toilette aufstehen.

 

Ganz wichtig: Die Kompression schützt und beschleunigt den Blutfluss

Sie erfüllt mehrere Funktionen:

1. Der Strumpf schützt die oberflächlichen Venen davor, dass sie ausleiern. Mechanismus: Der Strumpf wirkt mit seinem Druck dem erhöhten Druck in der Vene entgegen.

2. Der Strumpf schützt vor Schwellung. Mechanismus: Der Druck des Strumpfes erhöht den Druck in der Haut und im Unterhautgewebe. Das Wasser in der Vene folgt dem Druckgefälle. Wenn der Druck in der Vene hoch, gleich daneben aber niedrig ist, dann tritt Wasser aus den Venen aus und lagert sich in der Unterhaut ab. Nicht so bei erhöhtem Druck in der Unterhaut. Da kein Druckgefälle mehr besteht, bleibt das Wasser in der Vene.

3. Der Strumpf verbessert die Reparaturleistung am Gerinnsel. Mechanismus: Selbst in der Tiefe wird der Druck im Gewebe erhöht und die Fließgeschwindigkeit in den tiefen Venen erhöht. Unter diesen Bedingungen können die Reparaturzellen bessere Arbeit leisten.

 

Einschränkung: Das alles funktioniert nur bei optimaler Kompression, das heißt der Druck muss stimmen. Und wirklich gut klappt es nur in Verbindung mit Laufen. Beim Laufen werden die Muskeln angespannt und entspannt, das ist der treibende Mechanismus für den Transport des Blutes in den Venen.

v Warum ist gehen nach Thrombose so wichtig?

Wir sprachen schon darüber, dass der Körper im ersten Moment immer die oberflächlichen Venen als Umgehungsvenen benutzt. Langfristig ist das aber nicht günstig. Das Blut sollte immer über tiefe Venen fließen, die oberflächlichen Venen sind nur „Zulieferer“. Der Körper hat zwei Möglichkeiten, das zu ermöglichen. Entweder er macht die verschlossene Vene wieder auf oder aber er stellt tiefe Venen als Umgehungsvenen zur Verfügung. Solche Venen gibt es vor allem dort, wo Muskeln die Venen umgeben. Daher klappt die Aktivierung von Umgehungsvenen am ehesten im Unterschenkel oder im Oberschenkel, aber eher nicht im Bereich der Kniekehle und auch nicht im Bereich der Leiste.

 

Von der Funktionsweise her ist das auch einleuchtend. Sowohl im Knie als auch in der Leiste muss gebeugt und manchmal total abgeknickt werden. Dazu wird in ein Gefäß gesammelt, das dann an die beste Stelle platziert wird. Das geht nur einmal, nicht zweimal, bis auf die Fälle, wo Gefäße direkt doppelt angelegt sind. An dieser Stelle sei angemerkt, dass das Venensystem insgesamt viele Varianten kennt, die Schilderungen beziehen sich auf den Normalfall, also das, was am häufigsten vorkommt.

 

Was kann ich als Betroffener selber tun?

Laufen, laufen, laufen und immer auf den Körper hören.

Eine Thrombose ist für viele Patienten sehr anstrengend, besonders wenn sie lange Beinabschnitte betrifft. Wundern Sie sich also nicht, wenn Sie "kaputt" sind. Sollten Sie allerdings auch Probleme mit dem Atmen haben, dann bitte umgehend auf Lungenembolie untersuchen lassen (siehe weiter unten). Je nach Ausdehnung der Thrombose werden Sie mehr oder weniger lange krank geschrieben. 1 bis 2 Wochen dürften die Regel sein. In dieser Zeit haben Sie eine wichtige Aufgabe: Setzen Sie alles an Ihre Genesung. Im Klartext: Zwei mal täglich 20 Minuten spazieren gehen, besser drei mal. Die Geschwindigkeit muss so gewählt werden, dass es nicht zu Schmerzen kommt. Diese Schmerzen sind dumpf, werden auch als starkes Spannungsgefühl beschrieben oder als "etwas, was von innen nach außen drückt", meist in der Wade. Wenn es zu solchen Beschwerden kommt, sollten Sie stehen bleiben, warten bis sich das Bein wieder erholt hat, und dann wieder weiter gehen.

 

Wenn Sie nicht laufen, legen Sie immer das Bein hoch, auch wenn Sie sitzen und achten dabei darauf, dass das Knie nicht durchgestreckt, sondern leicht abgewinkelt ist.

 

Wann muss ich welchen Strumpf tragen?

Die Kompression muss den Anforderungen angepasst werden. Nachts im Liegen bei niedrigem Blutdruck wird ein normaler Kompressionsstrumpf (Klasse II) nicht vertragen und ist auch nicht erforderlich. Die meisten Patienten brauchen nachts keinen Strumpf. Wenn doch Kompression erforderlich ist, dann reicht ein so genannter "weißer Strumpf aus dem Krankenhaus". Das muss der Arzt individuell entscheiden. Die Entscheidung fällt anhand der klinischen Situation, das heißt in Abhängigkeit von den Veränderungen, die im Liegen auftreten.

 

Die meisten Thrombose-Patienten dürfen:

- Nachts auf Klo ohne Strumpf

- Morgens erst duschen, dann den Strumpf anziehen

- Duschen ohne Strumpf

- Relativ rasch schwimmen gehen

Es ist sogar so, dass ich Patienten, die schlecht laufen können, empfehle ins Schwimmbad zu gehen und im Wasser die Beine zu bewegen, z.B. "Radfahren" im Wasser. Das Wasser macht bei runterhängenden Beinen eine Kompression, die mindestens so kräftig ist wie der Strumpf und dabei idealerweise unten am kräftigsten ist und ebenfalls idealerweise immer und überall gleichmäßig ist. Da schneidet nichts ein, da rutscht nichts, etc.

Der Strumpf muss nach dem Schwimmen wieder angezogen werden. Weil der Strumpf auf der feuchten Haut schlecht rutscht, macht einölen Sinn. Den Strümpfen schadet das nicht, sie sind aus sehr strapazierbarem Material hergestellt.

 

Wann kann ich wieder... (Alltagsaktivitäten)?

Das ist bei jedem verschieden, aber die meisten Patienten, die in der eben besprochenen Art die erste Zeit nutzen, können rasch wieder ihren Alltagsaktivitäten nachgehen und auch arbeiten.

 

Wie lange brauche ich den Strumpf?

Auch das ist bei jedem verschieden und hängt davon ab

- ob vorher schon Venenprobleme bestanden

- ob rekanalisiert wird

- ob tiefe Umgehungsvenen zur Verfügung gestellt werden

- ob Sie ohne Strumpf Beschwerden haben

 

Wer kann mir wann was sagen?

Meist wird 2-3 Tage nach der Erstdiagnose die erste Ultraschallkontrolle gemacht. Dabei geht es um die wichtige Frage: Ist die Thrombose größer geworden. Rekanalisationen können in dieser kurzen Zeit auftreten, das ist aber die Ausnahme. Diese Untersuchung kann auch früher erfolgen, z.B. wenn die Beschwerden zunehmen oder mehrmals erfolgen, z.B. wenn unklar ist, ob die Thrombose wächst.

Die dann folgenden Kontrollen sollen zeigen, was in der Tiefe passiert. Am schnellsten reagiert die Strömungsbeschleunigung in der Vena saphena magna, die Ausdruck der sofortigen Umverteilung vom tiefen ins oberflächliche Venensystem ist (siehe oben: Wo ist das Blut bei einer frischen Thrombose?). Sie kann bereits nach wenigen Tagen wieder weg sein, weil der Körper Wege in der Tiefe gefunden hat. Wo er sie findet, lässt sich meist nicht so rasch feststellen. Die Kontrollintervalle werden unterschiedlich gewählt, mal sind es 4 Wochen, mal 3 Monate bis zur nächsten Untersuchung. Es motiviert mehr, wenn man Fortschritte sieht, letztlich kann man aber mit dem Ultraschall nur sehen, was schon passiert ist. Die Heilung kann man kein bisschen beeinflussen - darum ist es für die Heilung egal, wie oft kontrolliert wird.

 

Dauer von Kompression und Gerinnungshemmung - die grobe Richtung

Unterschenkelthrombose:

3 Monate Strumpf und Gerinnungshemmung, dann weitersehen

Oberschenkelthrombose (die Kniekehle zählt in diesem Fall schon zum Oberschenkel):

6 Monate Strumpf und Gerinnungshemmung, dann weitersehen

Beckenvenenthrombose und alle Thrombosen mit Lungenembolie:

12 Monate Strumpf und Gerinnungshemmung, dann weitersehen

 

 

Weitersehen: Wann weiß man was?

Die Prognose hängt davon ab,

- ob ausreichend Transportvolumen zur Verfügung steht

- ob die durchströmten Venen Klappen haben

- wie ausgedehnt ggf. der Klappenschaden ist

- ob Vorschäden bestanden

- wie der Alltag aussieht

 

Zu wenig Transportvolumen ist ganz schlecht und führt zu Schmerzen bei Belastung. Das kommt erfreulicherweise nicht oft vor und ist meiner Erfahrung nach in den allermeisten Fällen durch Training in den Griff zu bekommen. Dieses Verfahren steht nicht in den Lehrbüchern und ist meines Wissens nicht wissenschaftlich untersucht. Ich habe es aber oft genug erfolgreich durchgeführt, um es hier zu empfehlen.

 

Gehtraining bei Thrombose

Das Prinzip ist einfach: Man sagt dem Körper, dass er mehr Transportvolumen zur Verfügung stellen soll als bisher. Dazu ist am besten flottes Gehen geeignet. Gehen ist der beste Reiz für eine bessere Durchblutung des Unterschenkels bzw. des ganzen Beines - das weiß man aus der Durchblutungsforschung (Durchblutungsstörungen in den Arterien). Radfahren trainiert hauptsächlich die Durchblutung im Oberschenkel. Da das angeforderte Blut auch wieder aus dem Bein raus muss, muss nicht nur arterielles (Einstrom), sondern auch venöses (Abfluss) Transportvolumen zur Verfügung gestellt werden. Der Körper bekommt eine Aufgabe, die er lösen muss. Wenn er keine Aufgabe bekommt, hat er keinen Grund etwas zu ändern, sondern muss davon ausgehen, dass alles passt.

 

Zum Training gehört eine sehr gute Kompression, damit der Körper nicht die oberflächlichen Venen als Transportwege benutzt, sondern Wege in der Tiefe sucht. Die Kompressionsstrümpfe müssen also den Druck in den oberflächlichen Venen so stark erhöhen, dass der Körper hier keine Möglichkeit zum Abtransport findet.

 

Gehtraining: Beispiel 1

Mein erster Patient mit diesem Problem war ein junger Mann, selbstständiger Vertreter, viel im Auto unterwegs oder sitzend beim Kunden. Er hatte diese Tätigkeit wegen seiner Thrombose nur kurz unterbrochen und klagte jetzt darüber, dass er nur etwa 150 Meter schmerzfrei gehen konnte. Er hatte das erst kürzlich festgestellt, als er einen Dauerlauf machen wollte, um Gewicht abzunehmen. Wir vereinbarten, dass er zweimal täglich so weit laufen sollte bis die Schmerzen anfingen und weil er trotz Strumpf eine Schwellneigung hatte, sollte er beim Laufen einen zweiten Strumpf über den ersten anziehen. 3 Monate später konnte er ohne Schmerzen so weit gehen wie er wollte und war nicht mehr beeinträchtigt.

 

Gehtraining: Beispiel 2

Bei einer jungen Mutter war es ganz ähnlich. So lange ihr Baby nicht laufen konnte, merkte sie nicht, dass ihre Gehstrecke sehr kurz war. Als sie dem Kind nicht hinterher laufen konnte, das zur Straße lief, kam sie zu mir, absolvierte ihr Training und war innerhalb eines halben Jahres nicht mehr eingeschränkt.

 

Das Prinzip ist immer gleich: Man läuft bis es weh tut, um dem Körper zu zeigen, wo die Grenzen liegen und was er zu tun hat. Die Strecke ist bei jedem anders, die Kompression wieder bei allen gleich: „stark genug“ und das gelingt meist mit zwei Strümpfen übereinander.

 

Warum ich?

Tja, das sollten Sie in einer ruhigen Minute "den da oben fragen". Die Medizin hat einige Rahmenbedingungen herausfiltern können, die die Entstehung einer Thrombose wahrscheinlicher machen. Das Risiko nimmt mit der Anzahl der zutreffenden Faktoren zu, aber auch wenn alle Bedingungen auf Sie zutreffen, heißt das nicht, dass es zu einer Thrombose kommen muss. Ebenso wenig ist es zwingend, dass man einen der bekannten Auslöser für Thrombosen bei Ihnen findet. So ist das Leben...

 

Ich sollte Strümpfe tragen, werde es aber nicht tun.

Sie finden auf meinen Seiten viele Informationen zum Thema Kompression. Wann man Strümpfe braucht und ob man Strümpfe nach einer OP oder nach einer Thrombose tragen sollte. Mein Anliegen ist es, Ihnen das notwendige Wissen zu vermitteln, damit Sie selbst verantwortungsbewusste Entscheidungen für sich und Ihren Körper fällen können. Dazu gehört insbesondere die Entscheidung, ob und wann Sie einen Strumpf tragen.

 

Wenn sicher ist, dass Sie einen Strumpf brauchen und Sie entscheiden sich, es dennoch nicht zu tun, wird vermutlich lange Zeit nichts oder wenig passieren. Das bisschen Schwellung am Sockenrand lässt sich leicht ignorieren, gegen Schmerzen in den Waden kann man auch mal ´ne Schmerztablette nehmen und die Krampfadern, die sich im Laufe der Zeit bilden, kann man unter einer Hose verstecken.

Wenn Sie sehr alt sind, bleibt es möglicherweise dabei. Aber wenn Sie jung sind und noch viele Jahre auf Ihren Beinen durchs Leben gehen, dann laufen Sie Gefahr, ein offenes Bein zu bekommen. Das beginnt ganz klein und oft kann man im Anfangsstadium durch rasches und konsequentes Eingreifen das Loch wieder zu bekommen. Je größer das Loch aber bei Behandlungsbeginn ist, um so schwieriger und langwieriger wird es. Vor allem aber lassen sich die Veränderungen, die letztlich zum offenen Bein geführt haben, nicht mehr rückgängig machen. Es dauert Jahre bis das Unterhautgewebe weg ist und in all dieser Zeit hätte man Zeit, an der Uhr zu drehen, aber wenn die Haut erst mal offen ist, sind bestimmte Schädigungen unwiderruflich passiert.

Das sollten Sie wissen, wenn Sie diese Entscheidung fällen. Es ist Ihre Entscheidung.

 

Strumpf ja oder nein, wie weiß ich, ob ich mich richtig verhalte?

Ihr Körper spricht mit Ihnen und sagt Ihnen recht deutlich, ob er mit Ihrem Verhalten zurecht kommt oder nicht. Wenn Sie auf Ihren Körper hören, werden Sie schon recht genau wissen, ob alles ok ist. Da es aber sehr schwer ist, schleichende Veränderungen selber zu erkennen, sollten Sie noch jemanden auf Ihre Beine schauen lassen, am besten Ihren Phlebologen. Wenn er Sie einmal im Jahr sieht, sollte er erkennen können, ob alles stabil ist und Sie sich „im grünen Bereich“ befinden. Meiner Meinungen nach ist der Sommer, die Venen-Stress-Zeit“, der beste Zeitpunkt für eine solche Kontrolle.

 

Wie schlimm sind die Reste meiner Thrombose?

Wenn Sie eine Thrombose hatten, werden Sie bei weiteren Kontrollen oft Befunde hören wie “Reste der Thrombose sichtbar“, die Venen sind nicht vollständig wieder eröffnet, einige Abschnitte sind noch verschlossen usw. Erfahrungsgemäß führt das dazu, dass Sie sich (noch) gehandicapt fühlen. Tatsächlich kann es aber sein, dass Sie trotz eines solchen Befundes in gewissem Sinne wieder ganz gesund sind. Ich möchte versuchen, das zu erklären.

Der Körper ist - grob gesagt – mit einer Reserve von 50% gebaut. Das soll heißen: Wenn die Hälfte eines Systems ausfällt, ist es immer noch voll funktionsfähig, allerhöchste Höchstleistungen einmal ausgenommen. Für die Thrombose bedeutet das: Wenn eine Vene, die durch eine Thrombose verschlossen war, zu 50% wieder eröffnet wurde, dann hat sie wieder eine Transportkapazität, die für alle Alltagsaktivität ausreicht. Sie sind also mit 50% wieder hergestelltem Volumen voll funktionsfähig, was die Transportfähigkeit dieser Vene betrifft. Sie haben praktisch eine „gesunde Transportfunktion“.

Für die Funktion einer Vene gibt es zwei wichtige Kriterien: die Transportkapazität und die Ventilklappen. Wenn beides in Ordnung ist, sind die Venen voll funktionsfähig.

Gerade habe ich Ihnen erklärt, dass auch 50% Volumen für eine gesunde Transportfunktion ausreichen. Bliebe die Frage: Und was ist mit den Klappen? In gewisser Weise gilt auch hier die 50% Regel. In den großen Venen finden sich etwa alle 4-8 Zentimeter Ventilklappen, die bei regelrechter Funktion dafür sorgen, dass das Blut nur herzwärts fließt und nicht zurück ins Bein versacken kann.

Wenn nun einzelne Klappen nicht mehr funktionieren, weil sie durch die Thrombose „aufgelöst“ oder „verkrüppelt“ worden sind, dann entstehen Abschnitte, in denen diese Ventilfunktion nicht mehr gegeben ist. ABER: Das Blut ist eine durchgehende Flüssigkeitssäule, ständig schiebt von unten neues Blut nach und ständig wird nach oben hin Platz frei für den Abfluss des Blutes. Auch das Blut im betroffenen Abschnitt ist Bestandteil der „ganzen, großen Flüssigkeitssäule“ und wird „mitgenommen“. Wenn also eine Klappe nicht mehr funktioniert, aber alle Klappen darüber und darunter noch voll in Ordnung sind, so hat das meist keinerlei spürbare Auswirkungen. Gescheiterweise hat der Körper an wichtigen Abschnitten die Klappen dichter bei einander angelegt und auf langen geraden Strecken weiter auseinander. Und darum kommt es gar nicht so selten vor, dass Menschen nach einer Thrombose auf Dauer auch ohne Strumpf sehr gut zurecht kommen, wenn sie ihre Venen nicht gerade in Stress bringen. Mit Bewegung klappt der Bluttransport leichter – sie brauchen keinen Strumpf. Beim stehen und sitzen macht sich die fehlende Klappenfunktion dann doch (nach gewisser Zeit) bemerkbar. Sie ziehen ganz gezielt Ihre Strümpfe an, um Schwellung, Druckgefühl im Unterschenkel usw. zu vermeiden.

 

 

 

 

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