Chronische Venenschwäche

in der Medizinersprache:

Chronische Veneninsuffizienz = CVI

auch bekannt als "innere Krampfadern", chronisch venöse Insuffizienz, Beinleiden usw. 

 

In der korrekten Bezeichnung heißt diese Erkrankung chronische Veneninsuffizienz, allerdings wird auch sehr oft die Bezeichnung chronisch venöse Insuffizienz benutzt. Die Abkürzung bleibt gleich: CVI. Ich bevorzuge die Bezeichnung Venenwandschwäche, weil man sich darunter spontan etwas vorstellen kann.

 

Sie finden hier Informationen zu folgenden Punkten:

 

• CVI, was ist das?

• CVI, wie merkt man das (Beschwerden)?

• CVI, wie bekommt man das?

• Bei mir ist nichts zu sehen, kann es trotzdem CVI sein?

• Habe ich nicht vielleicht doch was anderes?

• Wie gefährlich ist die CVI?

• Warum kann eine CVI ein offenes Bein machen?

• Was kann man tun (Venenmedikamente)?

• Was kann man tun (Allgemeinmaßnahmen)?

• Was kann man tun (Kompressionsstrümpfe)?

• Wer trägt schon freiwillig Kompressionsstrümpfe?

• Wer Strümpfe wirklich braucht, der liebt sie auch!

• Kann man CVI operieren?

• Kann man sonst was tun?

• Warum gibt es nur die Strümpfe?

• Wann kann ich auf Strümpfe verzichten?

• Wahrscheinlich, wahrscheinlich, wahrscheinlich – Kontrolle ist besser

 

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•  CVI, was ist das?

 

Venenwände haben Löcher, um den Durchtritt von Flüssigkeit zu ermöglichen. Es ist also normal, dass die Venenwand Wasser ins Gewebe durchtreten lässt. Wenn aber diese Durchlässigkeit größer ist als sie sein sollte, weil die Löcher größer sind als sie sein sollten, dann haben wir eine Venenwandschwäche oder chronische Veneninsuffizienz.

 

 

•  CVI, wie merkt man das (Beschwerden)?

 

Die CVI macht sich als erstes mit folgenden Beschwerden bemerkbar:

... Die Beine werden oft schwer und müde, vor allem wenn es warm ist und man lange stehen oder sitzen muss.

... Es kann sich auch anfühlen, als würden die Waden von innen gesprengt oder so, als seien sie eingemauert oder einfach unruhig, ohne dass man es genauer beschreiben kann.

... Diese Beschwerden treten auch auf, wenn man in Räumen mit Fußbodenheizung ist oder wenn man etwas länger im Biergarten sitzt, vor allem wenn dabei die Beine in der Sonne sind und wenn man ein Bier oder anderen Alkohol getrunken hat.

... An den Innenknöcheln bilden sich kleine blaue Äderchen, wie Besenreiser.

... Die Beine schwellen vor allem im Bereich der Knöchel an, was man z.B. daran merkt, dass sich der Gummirand von den Söckchen abzeichnet oder daran, dass man Söckchen gar nicht mehr aushalten kann.

 

Typischerweise lassen sich die Beschwerden ziemlich rasch in den Griff bekommen, wenn man die Beine hochlegt, sie kalt abbraust, in einen Eimer mit kaltem Wasser steigt oder einfach ein paar Minuten richtig flott läuft.

 

 

•  CVI, wie bekommt man das?

 

Die Veranlagung zur CVI wird einem mitgegeben, von Mutter, Vater, Oma, Opa, Tante oder sonst einem Verwandten. Man bekommt die CVI eher, wenn man seinen Venen viel zumutet, also viel langes Stehen, Arbeiten mit schwerem Heben und auch Schwangerschaften können sich ungünstig auswirken. Aber die eigentliche Ursache ist genetisch (also Veranlagung).

 

 

•  Bei mir ist nichts zu sehen, kann es trotzdem CVI sein?

 

Die CVI ist für den Betroffenen oft sehr viel beeindruckender als für den Betrachter oder Untersucher und wird deshalb leider oft nicht richtig wahrgenommen bzw. runtergespielt. Den Satz „Man sieht nichts, also haben Sie auch nichts“ haben viele Betroffene schon mal gehört. Anderen wurde gesagt „Sie haben innere Krampfadern“. Und leider geht die Beratung dann oft so weiter, dass man gegen innere Krampfadern nichts machen kann und Sie deswegen unverrichteter Dinge nach Hause geschickt werden.

 

 

•  Habe ich nicht vielleicht doch was anderes?

 

Es kommt gar nicht selten vor, dass jemand nur eine CVI hat und sonst nichts. Aber viele Betroffene haben auch mehrere Probleme, z.B. eine CVI und Krampfadern oder eine CVI und eine andere Stauung, z.B. ein Lymphödem oder ein Lipödem. Wenn Arzt und Patient sich ein wenig Zeit nehmen, um einige Fragen zu klären und der Arzt sich die Beine anschauen kann, lässt sich aber in der Regel recht genau feststellen, welche Störungen vorliegen. Mit einer Venenuntersuchung lässt sich dann klären, ob Klappenschäden im Venensystem bestehen, die auch zu einer Stauung in den Beinen führen. Vor allem die Stauung durch Probleme in den tiefen Venen lässt sich nur durch eine Venenuntersuchung mit Doppler und Duplex (siehe dort) klären. Sehen oder ertasten kann man sie nicht – im Gegensatz zu den meisten Krampfadern.

 

 

•  Wie gefährlich ist die CVI?

 

Leider ist die CVI viel gefährlicher als viele annehmen. Ein bisschen CVI, die sich im Laufe der Jahre nicht ändert, ist kein großes Problem. Aber eine CVI, die im Laufe der Jahre langsam, aber unaufhaltsam zunimmt, kann zu einem großen Problem werden, genau gesagt zu einem offenen Bein.

 

 

•   Warum kann eine CVI ein offenes Bein machen?

 

Offene Beine gibt es nach Thrombosen, bei Krampfadern und eben auch als Spätfolge der unbehandelten CVI. Die meisten offenen Bein kann man verhindern, wenn man rechtzeitig eingreift. Das gilt auch für die CVI, nur wird dieses Problem leider oft jahrelang nicht erkannt. Damit Sie verstehen, wie alles zusammenhängt, versuchen Sie sich bitte Folgendes vorzustellen:

Das Wasser aus der Vene tritt durch die zu großen Löcher (Poren) ins Gewebe aus. Damit erhöht es den Druck auf die Strukturen, die sich dort befinden. In der Wade sind es vor allem die Muskeln, die dann weh tun wie untypischer Muskelkater und weiter unten am Bein ist es das Unterhautgewebe. Da wir meist den ganzen Tag auf den Beinen sind, sackt auch das Wasser, das in den Waden aus der Vene ausgetreten ist, langsam zum Knöchel runter. Dort unten nimmt das Unheil seinen Lauf.

Am Knöchel haben wir eine ziemlich feste Haut, aber nur wenig Polster darunter. Dieses Polster ist die eben beschriebene Unterhaut, in der sich das Wasser staut. Das Gewebe versucht, den erhöhten Druck abzugeben. Der Druck kommt von innen und will deswegen nach außen, also zur Haut. Da geht es aber nicht weiter, denn die Haut kann dieses Wasser nicht „ausschwitzen“, es bleibt vor der Haut stehen und drückt auf die Haut. Diesem Druck kann die Haut nur eine gewisse Zeit standhalten, dann geht sie kaputt – das Bein ist offen.

 

 

•   Was kann man tun (Venenmedikamente)?

 

Zum einen kann man versuchen, die Löcher in der Venenwand kleiner zu machen, sie „abzudichten“. Mit den so genannten Venenmedikamenten ist das durchaus möglich, aber nur begrenzt und nicht bei jedem gleich gut. Ob Ihnen Rosskastanie, Flavonoide, Mäusedorn oder andere Substanzen helfen, müssen Sie daher ausprobieren (siehe Medikamente). Nur beachten Sie bitte eins: Ein Medikament kann nur helfen, wenn es in der empfohlen Dosierung eingenommen wird. Sparen Sie sich Versuche mit halber Dosierung. Sie würde auch Ihrer Blume nicht ein halbes Glas Wasser am Tag geben, wenn Sie genau wissen, dass sie ein ganzes Glas braucht, um nicht zu vertrocknen.

 

 

•   Was kann man tun (Allgemeinmaßnahmen)?

 

Natürlich helfen all die Dinge, die Sie schon als angenehm kennengelernt haben: Beine hochlegen, viel laufen, Kneipp-Anwendungen etc. Und natürlich ist es besser, wenn Sie nicht zu viel Gewicht mit sich herumtragen. Sie sollten diese Dinge weiterhin tun, aber wahrscheinlich reichen sie ja nicht mehr, sonst würden Sie nicht Hilfe suchen.

 

 

•   Was kann man tun (Kompressionsstrümpfe)?

 

Wenn Sie mit den Allgemeinmaßnahmen und den Medikamenten nicht beschwerdefrei werden, dann brauchen Sie Kompressionsstrümpfe. Und falls Sie zu den Menschen gehören, die bei diesem Wort die Augen verdrehen, dann atmen Sie jetzt bitte noch mal tief durch und laufen nicht gleich weg. Lesen Sie lieber Geschichten von Betroffenen, ich fange mit meiner an:

 

 

•   Wer trägt schon freiwillig Kompressionsstrümpfe?

 

Mit Mitte 20 ohne ein einziges Kilo Übergewicht, ohne Kinder, ohne Rauchen und ohne besondere Belastungen, fingen meine Beine an, mich jeden Tag wieder so zu nerven, dass ich ab frühem Nachmittag eigentlich nur noch meine Beine im Kopf hatte. Sie taten weh, ohne dass man es besonders gut beschreiben konnte. Ich musste immer die Waden massieren, damit es besser wurde, hochlegen half auch nicht besonders, denn stillhalten wurde zum Problem. An einem Sommertag bei 40 Grad im Schatten dachte ich mir: Na gut, dann probier ich das halt mal mit den hässlichen Strümpfen. Aber der Mann im Sanitätshaus wollte mir keine verkaufen! Nicht ohne Rezept, nicht ohne dass ein Arzt gemessen hatte. Ich musste mich sehr stur stellen, um an meine ersten Strümpfe zu kommen und es waren nur Strümpfe Klasse I, aber eine halbe Stunde später hatte ich meine Beine vergessen. Sie fielen mir erst wieder ein, als mir abends bewusst wurde, dass ich heute endlich mal wieder alles erledigt hatte, und dass ich schon seit Stunden nicht mehr an meine Beine gedacht hatte.

 

 

•   Wer Strümpfe wirklich braucht, der liebt sie auch!

 

Damit wäre ich bei einem ganz wichtigen Punkt: Wenn Sie Strümpfe BRAUCHEN, werden Sie sie lieben und nicht mehr hergeben. Unter einer Voraussetzung: Die Dinger müssen passen, sonst haben Sie wieder Schraubstöcke am Bein.

Daher meine Bitte an Sie: Geben Sie sich eine Chance (und Ihren Strümpfen). Ziehen Sie die Strümpfe an einem Tag an, an dem Sie sonst mit aller Wahrscheinlichkeit Beschwerden bekommen würden und genießen Sie die Freiheit, nicht immer an die Beine denken zu müssen.

 

 

•  Kann man CVI operieren?

 

Nein.

 

 

•   Kann man sonst was tun?

 

Nicht wirklich. Das soll eine Umschreibung dafür sein, dass sehr viele Dinge angeboten werden, die große Erwartungen wecken, ohne dass sie sie wirklich erfüllen können. Wenn es Ihnen gut tut, dann probieren Sie das aus, was Ihnen als Geheimtipp empfohlen wurde, aber seien Sie nicht enttäuscht, wenn es nicht so klappt, wie Sie es sich wünschen.

 

 

•   Warum gibt es nur die Strümpfe?

 

Ich hatte Ihnen oben erklärt, dass das Wasser im Gewebe von innen gegen die Haut drückt und die Haut diesem Druck nur gewisse Zeit standhalten kann. Der Strumpf drückt von außen dagegen und schafft somit einen „Druckausgleich“ (Druck von innen gegen Druck von außen). Die Haut befindet sich idealerweise genau zwischen dem Innendruck und dem Außendruck in einem Bereich, wo kein Druck (mehr) ist. Ohne Druck kann endlich wieder Blut mit Sauerstoff in die Haut reinfließen. Bei hohem Druck in der Haut geht das nämlich nicht. Aber sobald die Haut sich wieder in der druckfreien Zone befindet, wird sie wieder mit Nährstoffen versorgt, kann aufatmen und sich erholen – sie fängt wieder an zu leben. Und dafür brauchen Sie die Strümpfe, das geht nämlich nicht anders.

 

 

•   Wann kann ich auf Strümpfe verzichten?

 

Im Liegen, beim schwimmen und wenn man die Beine hochlegt, braucht normalerweise kein gesunder Mensch einen Strumpf. Ich sage extra gesunder Mensch, denn das Liegen im Bett bei Grippe oder anderer Krankheit ist hier gerade nicht gemeint.

Die Frage, ob Sie beim Sport, am Wochenende, im Biergarten usw. Strümpfe brauchen, kann ich Ihnen so nicht beantworten. Sie finden die Antwort wahrscheinlich selber, wenn Sie sich genau beobachten. Solange Sie keine Beschwerden haben, brauchen Sie den Strumpf wahrscheinlich nicht. Darum tragen viele Patienten ihren Strumpf in der Arbeit, wo sie stehen müssen, und ziehen ihn aber sofort aus, wenn sie fertig sind. Wenn Sie am Wochenende nicht viel stehen müssen, brauchen Sie wahrscheinlich auch keine Strümpfe. Im Biergarten kann das schon wieder anders sein. Biergarten und Stadtbummel sind typische Stresssituationen für Beine mit CVI.

 

 

• Wahrscheinlich, wahrscheinlich, wahrscheinlich –

  Kontrolle ist besser

 

Dieses Worte finden Sie bei mir nicht oft, aber im letzten Abschnitt in jeder zweiten Zeile. Es soll Sie zur Vorsicht mahnen. Sie treffen die Entscheidungen, seien Sie vorsichtig dabei und machen Sie sich nichts vor. Ignorieren Sie nicht die Sprache, in der Ihr Körper mit Ihnen spricht. Mein Tipp: Gehen Sie einmal im Jahr zu Ihrem Phlebologen und lassen Sie Ihre Beine anschauen. Vergewissern Sie sich, dass alles stabil und damit „im grünen Bereich“ ist.

 

 

 

 

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