Kompressionsstrümpfe ...

 

auch Gummistrümpfe genannt oder Venenstrümpfe...

 

Sie sind leider vielfach unbeliebt und dabei doch so wertvoll. 

 

Lesen Sie, warum. 

 

Kompression bedeutet Druck. Dieser Druck wird in der Regel durch Kompressionsstrümpfe erreicht, die man auch Gummistrümpfe nennt. Es gibt aber auch andere Formen der Kompression, die durchaus sehr wirksam sind:

 

Wasser

Wasser macht eine sehr gute Kompression. Deswegen müssen viele Menschen nach kurzer Zeit im Schwimmbad erst mal auf´s Örtchen. Für alle Venenkranken bedeutet das: Wasser ist gut, es macht eine Kompression und entstaut. Natürlich erübrigt sich damit auch der Gummistrumpf im Wasser. Man muss ihn also nicht anlassen, auch nicht nach einer Thrombose. Die Kompressionswirkung ist um so größer, je tiefer die Beine im Wasser sind. Besonders gut ist es also, sich an den Beckenrand zu hängen und tief im Wasser langsam zu strampeln. Die moderne Form dieser Gymnastik ist unter den Begriffen Aqua-Jogging oder Aqua-Radfahren bekannt.

 

Kompressionsgeräte

Insbesondere bei Patienten mit Lypmphödem werden oft Geräte zur apparativen intermittierenden Kompression eingesetzt. Dabei handelt es sich um eine strumpfförmige Manschette, die man sich über das Bein zieht. Im Liegen wird sie dann aufgepumpt und nach kurzer Zeit wieder entleert. In etwa so wie die Manschette, die beim Blutdruckmessen am Arm aufgeblasen wird. Allerdings ist der Druck deutlich geringer und die ganze Prozedur wird über z.B. 20 Minuten immer wieder wiederholt. Auch diese intermittierende (=unterbrochene) Kompression entstaut sehr effektiv und wird meist beim Lymphödem oder bei gemischten Stauungen angewendet.

 

Kompressionsstrumpf

Der Kompressionsstrumpf ist die wichtigste Form der Kompression im Bereich der Venenheilkunde. Dabei ist zu unterscheiden nach der Strecke, die behandelt wird, also

Unterschenkelstrumpf,

Oberschenkelstrumpf

Strumpfhose

Maßanfertigungen

sowie nach der Kompressionsstärke, die als Kompressionsklasse I bis IV bezeichnet wird.

 

Venenärzte und Patienten sind sich einig, dass schon die Kompressionsklasse I eine gute stützende Wirkung hat und bei vielen Patienten zum gewünschten Erfolg führt. Da aber die Kompression nur gering ist, gehen die gesetzlichen Krankenkassen davon aus, dass diese Kompression zwar hilfreich, aber nicht unbedingt erforderlich ist und übernehmen die Kosten dafür nicht.

 

Reisekompressionsstrümpfe, Flugstrümpfe, Stützstrümpfe, Running Sox ...

Auch diese Strümpfe sind für die Betroffenen oft sehr hilfreich und sie kosten in der Regel sehr viel weniger als jeder medizinische Kompressionsstrumpf, also auch als der Strumpf Klasse I. Ohne den Nutzen dieser Strümpfe mindern zu wollen, muss klar gesagt werden, dass für diese Strümpfe keine Vorgaben für den Druck existieren, den sie aufbauen müssen oder sollen. Das ist der wesentliche Unterschied zu medizinischen Kompressionsstrümpfen. Diese haben einen definierten Druck, der auch nachweislich erreicht wird, wenn die richtige Größe abgemessen wurde. Die frei käuflichen Strümpfe dagegen werden zum Teil nach der Schuhgröße, nach S, M und L oder anderen Kriterien eingeteilt. Jeder weiß, dass in einem Schuh der Größe 38 ganz unterschiedliche Beine stecken können und so verwundert es nicht, dass hier nicht jeder auf Anhieb glücklich wird. Sie brauchen für solche Strümpfe eine gute Beratung und vor allem die Möglichkeit, den Strumpf zu probieren. Wenn der frei käufliche Strumpf gut passt, ist er allerdings meist ähnlich angenehm und hilfreich wie ein Strumpf der Klasse I.

Zur Orientierung: Er darf nicht einschneiden, er darf nicht rutschen, er darf nicht abschnüren oder zu Schwellungen führen, weder unterm Strumpf noch darüber. Er muss so richtig angenehm sein, dann hilft er auch. Die Beine müssen sich leichter anfühlen, vor allem auch nach Stunden noch.

 

Kompressionsklasse II, III und IV

Die Klasse II ist der meistverordnete Strumpf in der Venenheilkunde. Man braucht ihn bei fast allen Patienten. Verboten ist er nur bei Patienten mit bestimmten Durchblutungsstörungen, denn bei ihnen ist die Kompression der Klasse II zu stark. Wenn die Kompression dagegen zu schwach ist, so merkt man das daran, dass es trotz Strumpf zu Schwellung und Beschwerden kommt. Dann kann man auf einen Strumpf der Klasse III oder sogar IV ausweichen, was ich aber in der Regel vermeide. Strümpfe der Klasse III und IV sind immer flachgestrickt und haben eine Naht hinten. Es sind genau die Dinger, die den Kompressionsstrümpfen den Spitznamen „Kartoffelsäcke“ eingebrockt haben. Abgesehen von der mangelnden Schönheit, sind sie sehr schwer anzuziehen, sehr teuer, trocknen schlecht, man schwitzt darin im Sommer und bekommt kalte Zehen im Winter. Kurz und gut: ich liebe sie nicht. Meine Alternative: Ziehen Sie lieber zwei Strümpfe der Klasse II übereinander. Zuerst den neueren, noch nicht ausgeleierten Strumpf, darüber den zweiten. Damit erreichen Sie eine Kompressionswirkung, die in etwa einer Klasse III entspricht, haben aber viele Vorteile. In einigen Bundesländern müssten Sie sogar zum Phlebologen für den Strumpf Klasse III, während Strümpfe der Klasse II von jedem Arzt verschrieben werden können.

 

Wie oft bekomme ich Strümpfe?

Zweimal im Jahr geht es ohne Probleme. Sollten Sie mehr Strümpfe brauchen, dann heben Sie die alten, kaputten Strümpfe bitte auf und gehen Sie damit zu Ihrem Sachbearbeiter bei der Kasse. Es ist gut und richtig, dass nicht unzählige Strümpfe verschrieben werden, um in der Schublade alt zu werden. Aber die Kasse wäre töricht, die Kosten für Strümpfe nicht zu übernehmen, die gebraucht werden. Davon können Sie den Mitarbeiter überzeugen, wenn Sie ihm Ihre Strümpfe zeigen.

Am Anfang einer Behandlung müssen Sie auch nicht sechs Monate warten, bis Sie das Rezept für das zweite Paar Strümpfe bekommen können. Bei der so genannten „Erstverordnung“ können zwei Paar Strümpfe rezeptiert werden. Aber Vorsicht: Erst ein Paar holen und in Ruhe probieren. Es gibt zahlreiche Materialien und Farben, probieren Sie lieber zwei verschiedene als zwei gleiche Paar Strümpfe. Für Bäuerinnen z.B. macht es dringend Sinn, ein Paar sehr grobe Strümpfe für die Arbeit in Gummistiefeln zu nehmen und ein Paar dünnere Strümpfe für die Kirche, zum einkaufen und wenn Besuch kommt.

 

Nachts und Kompression

Nachts brauchen Sie normalerweise keine Kompressionsstrümpfe. Nur die wenigsten Pateinten haben im Liegen solche Abflussprobleme in den Venen, dass sie Strümpfe brauchen. Das gilt sogar für die meisten Patienten mit Thrombose. Allerdings darf man das nicht verallgemeinern, sondern muss es individuell entscheiden. Für alle Patienten gilt aber, dass der Blutdruck im Liegen und insbesondere nachts niedriger ist als tagsüber und vor allem im stehen. Deswegen werden nachts in der Regel die üblichen Kompressionsstrümpfe (Klasse II) nicht gut vertragen. Die Füße werden kalt, schlafen ein, werden unruhig oder Ähnliches. Wenn nachts eine Kompression gebraucht wird, so muss sie in der Regel weniger stark sein als nachts. Deswegen bekommen die Patienten im Krankenhaus auch die weißen Strümpfe, die eben nicht Kompressionsstrümpfe heißen, sondern Thrombose-Prophylaxe(=Vorbeugungs)-Strümpfe. Sie üben deutlich weniger Druck aus als die Kompressionsstrümpfe. Und Patienten, die einen Kompressionsverband brauchen, bekommen Kurzzugbinden, die einen hohen Arbeitsdruck (beim stehen und gehen) aufbauen, aber einen niedrigen Ruhedruck (im liegen) haben.

 

Ich sollte Strümpfe tragen, werde es aber nicht tun.

Sie finden auf meinen Seiten viele Informationen zum Thema Kompression. Wann man Strümpfe braucht und ob man Strümpfe nach einer OP oder nach einer Thrombose tragen sollte. Mein Anliegen ist es, Ihnen das notwendige Wissen zu vermitteln, damit Sie selbst verantwortungsbewusste Entscheidungen für sich und Ihren Körper fällen können. Dazu gehört insbesondere die Entscheidung, ob und wann Sie einen Strumpf tragen.

 

Wenn sicher ist, dass Sie einen Strumpf brauchen und Sie entscheiden sich, es dennoch nicht zu tun, wird vermutlich lange Zeit nichts oder wenig passieren. Das bisschen Schwellung am Sockenrand lässt sich leicht ignorieren, gegen Schmerzen in den Waden kann man auch mal ´ne Schmerztablette nehmen und die Krampfadern, die sich im Laufe der Zeit bilden, kann man unter einer Hose verstecken.

Wenn Sie sehr alt sind, bleibt es möglicherweise dabei. Aber wenn Sie jung sind und noch viele Jahre auf Ihren Beinen durchs Leben gehen, dann laufen Sie Gefahr, ein offenes Bein zu bekommen. Das beginnt ganz klein und oft kann man im Anfangsstadium durch rasches und konsequentes Eingreifen das Loch wieder zu bekommen. Je größer das Loch aber bei Behandlungsbeginn ist, um so schwieriger und langwieriger wird es. Vor allem aber lassen sich die Veränderungen, die letztlich zum offenen Bein geführt haben, nicht mehr rückgängig machen. Es dauert Jahre bis das Unterhautgewebe weg ist und in all dieser Zeit hätte man Zeit, an der Uhr zu drehen, aber wenn die Haut erst mal offen ist, sind bestimmte Schädigungen unwiderruflich passiert. Das sollten Sie wissen, wenn Sie diese Entscheidung fällen. Es ist Ihre Entscheidung.

 

Strumpf ja oder nein, wie weiß ich, ob ich mich richtig verhalte?

Ihr Körper spricht mit Ihnen und sagt Ihnen recht deutlich, ob er mit Ihrem Verhalten zurecht kommt oder nicht. Wenn Sie auf Ihren Körper hören, werden Sie schon recht genau wissen, ob alles ok ist. Da es aber sehr schwer ist, schleichende Veränderungen selber zu erkennen, sollten Sie noch jemanden auf Ihre Beine schauen lassen, am besten Ihren Phlebologen (Venenarzt). Wenn er Sie einmal im Jahr sieht, sollte er erkennen können, ob alles stabil ist und Sie sich „im grünen Bereich“ befinden. Meiner Meinungen nach ist der Sommer, die "Venen-Stress-Zeit“, der beste Zeitpunkt für eine solche Kontrolle.

 

Zu den klassischen "Problemen"

 

Strümpfe sind so hässlich, die kann ich unmöglich in die Arbeit anziehen, da spielt mein Arbeitgeber nicht mit

Kompressionsstrümpfe gibt es allen Farben und sehr unterschiedlichen Materialien. Es sollte kein Hexenwerk sein, auch für Sie einen Strumpf zu finden, der Ihnen gefällt und den Sie gern auf der Haut haben.

• Einige Farbbeispiele: Schwarz, braun, blau, grün, oragne rot, hellblau, dunkelrot

• Einige Musterbeispiele: glatt, geriptt, gestreift mit Muster in uni oder auch mehrfarbig im Batikmuster.

• Einige Materialbeispiele: Mikrofaser, Polyacryl, Baumwollmischungen

• Strumpfbeispiele:

Männerstrumpf als Kniestrumpf mit 80% Baumwolle in schwarz sieht aus wie eine ganz normale Männersocke aus teurer englischer Baumwolle, nur dass er keine Falten schlägt. Lässt sich gut anziehen und ist angenehm auf der Haut. Damen-Ausgehstrumpf: Mikrofaser, in sich gemustertes schwarz, macht ein tolles, schlankes Bein, ist angenehm auf der Haut, muss man vorsichtig anziehen, mit Geduld.

Der Strumpf für den Gummistiefel: Polyacryl, dick, Farbe egal, Hauptsache er scheuert sich nicht durch, sondern hält wirklich ein halbes Jahr und man muss weder beim an- noch beim ausziehen aufpassen.

 

Ich kann den Strumpf nicht anziehen, dazu habe ich keine Kraft / das klappt bei mir einfach nicht

Wenn Sie jemals eine alte Dame mit Gichtfingern oder Rheumahänden gesehen haben, die ruck-zuck ihre Strümpfe angezogen hat, werden Sie so etwas nie wieder sagen. Man muss halt wissen, wie man einen Strumpf am besten anzieht. Ganz schlecht ist es, sich auf den Stuhl zu setzen und dann den Strumpf so anziehen zu wollen wie man sonst andere Strümpfe anzieht. Da wird nämlich innerhalb von ganz kurzer Zeit der Kopf knallrot, man kommt ins Schwitzen und verliert sofort die Lust an der Sache. Strümpfe ziehen Sie auf dem Sofa an, damit Sie den Kopf nicht runterbeugen müssen. Strümpfe, die vorne offen sind, lassen sich mit Hilfe einer Anziehhilfe genau so anziehen wie normale Strümpfe.. Für geschlossene Strümpfe oder wenn es auf die normale Art nicht klappt, empfiehlt sich das Anziehen in zwei Schritten: Man geht mit der Han in den Strumpf, hält die Ferse fest und klappt den ganzen Strumpf um, nur eben den Fuß nicht, den hält man an der Ferse fest. Dann zieht man zuerst den Fußteil an und zwar bis zur Ferse und erst im zweiten Schritt stülpt man den Rest vom Strumpf über den Fuß und zieht ihn dann hoch.

Wem das auch noch zu kompliziert ist, der investiert ein wenig Geld in eine Anziehhilfe. Davon gibt es unterschiedliche Modelle, mein bevorzugtes Modell ist ein Metallgestell, auf das der Strumpf aufgezogen wird. Dann tritt man im Stehen von oben in das Gestell und dabei drückt sich der Strumpf übers Bein. Kein Bücken, kein Schwitzen, aber ein wenig Übung braucht es schon.

 

Der Strumpf schneidet immer ein, das halt ich nicht aus

Ein Kompressionsstrumpf darf nicht einschneiden. Tut er es doch, dann muss man nach dem Grund suchen. Manchmal ist falsch abgemessen worden. Manchmal hat sich seit dem Abmessen das Bein verändert, meist wird der Strumpf falsch angezogen. Ja, Sie lesen richtig, er wird einfach nicht richtig angezogen. Aus lauter Begeisterung darüber, dass der Strumpf endlich über die Ferse ist, ziehen die Leute mit Schmackes an dem Strumpf und dann wird er zu lang und wenn es ganz schlimm kommt, wird er auch noch oben umgeschlagen. Das ist dann die volle Katastrophe. Ein Kompressionsstrumpf muss seine meiste Wirkung kurz überm Sprunggelenk entfalten. Da darf er nicht gedehnt werden. An sich muss er am Unterschenkel "angeschmiegt werden". Wenn er dann zu kurz wirkt, dann ist alles richtig. Denn das letzte Stück dürfen Sie dann gern dehnen. Umschlagen ist total, absolut und ganz und gar verboten (mit wenigen Ausnahmen). Immer wenn Sie umschlagen, verdoppeln Sie den Druck an der Stelle. Wenn Sie also ganz oben umschlagen, dann muss der Strumpf einschneiden, schließlich haben Sie den Druck verdoppelt und so schneiden Sie das Bein ein.

 

Ich kann den Strumpf nicht tragen, weil meine Haut so austrocknet und juckt

Ja, unter dem Strumpf trocknet die Haut aus. Bei jedem! Sie sollten daher abends, wenn Sie den Strumpf ausziehen, kurz die Beine abbrausen, am besten mit laukaltem Wasser und die Haut dann einfetten. Dazu benutzen Sie bitte keine Milch, keine Lotion und auch nicht unbedingt eine Creme, denn sie alle enthalten viel Wasser, das anfangs zwar schön kühl ist, dann aber verdunstet und dabei wieder Wasser aus der Haut zieht. Benutzen Sie stattdessen Vaseline, Melkfett oder Öl. Jedes Öl ist ok, Babyöl, Salatöl, Motoröl, egal.

 

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